Consultant im Automobilbau: Anmeldung?

Frage

Ich würde mich gerne freiberuflich als Consultant im Automobilbau selbständig machen. Die Beratung umfasst das Themengebiet Produkt- und Prozessoptimierung sowie die Beratung zum Projekt- und Problemmanagement. Ich bin Rentner (im "Un"-Ruhestand) mit der Ausbildung als staatlich geprüfter Maschinenbau-Techniker mit 40 Jahren Berufserfahrung in der Automobilindustrie, wo ich langjährig verschiedene Tätigkeiten ausgeführt habe, die nachweislich einer Ingenieur-Tätigkeit entsprechen. Wie melde ich die Tätigkeit beim Finanzamt richtig an (welche Angaben sind zu tätigen ohne falsch eingestuft zu werden)?

Antwort

Grundsätzlich ist es möglich, als Techniker im steuerrechtlichen Sinn als ingenieurähnlich und damit freiberuflich eingestuft zu werden. Voraussetzungen sind grundsätzlich
1. ein entsprechender Wissensstand, erworben durch Ausbildung, Fort- und Weiterbildung,
2. Qualifizierung durch berufliche Praxis und
3. eine Tätigkeit, die nachweislich einer Ingenieurtätigkeit entspricht.

Die Rechtsprechung stellt dazu das Folgende fest: Ein dem Ingenieurberuf ähnlicher Beruf kann auch vorliegen, wenn der Steuerpflichtige kein in den Ingenieurgesetzen vorgeschriebenes Studium vorweisen kann, seine praktische Berufstätigkeit aber mathematisch-technische Kenntnisse voraussetzt, die üblicherweise nur durch eine Ausbildung zum Ingenieur vermittelt werden können (BFH IV R 63/86). Die praktische Tätigkeit, mit der die erforderlichen Kenntnisse nachgewiesen werden sollen, muss der wesentliche Teil der Berufstätigkeit sein und ihr das Gepräge eines Katalogberufes geben (BFH I R 109/77). In diesem Ausnahmefall muss der Steuerpflichtige die auf andere Weise erworbenen und denen des Ingenieurs vergleichbaren Kenntnisse an Hand seiner Arbeiten in einer praktischen Berufstätigkeit nachweisen (BFH IV R 63/86). Dies betrifft etwa auch Art und Umfang der Dokumentation von Arbeitsprozessen. Als Maßstab sind also vor allem auch die fachlichen Anforderungen an eine Tätigkeit heranzuziehen. In engem Zusammenhang mit einer diesbezüglichen Beurteilung muss eine nähere Quantifizierung verschiedener Tätigkeitselemente stehen.

Nachweise können etwa durch Bestätigungen von Auftraggebern geführt werden. Im Zweifelsfall kann ein Gutachten eingefordert werden. Sie sprechen davon, "nachweislich" ingenieurähnlich tätig zu sein. Wenn Sie also über entsprechende Belege verfügen, sollten Sie das Finanzamt darauf verweisen. Beachten Sie bitte auch unbedingt dies: Es kommt immer wieder vor, dass die Anmeldungen von (vermeintlichen) Freiberuflern bei den Finanzämtern ohne nähere Prüfung akzeptiert werden. Betroffene Personen gehen dann ebenso häufig wie fälschlich von einer Anerkennung als Freiberufler aus. Wenn Sie sich trotz Unsicherheit als freiberuflich (im Steuerdeutsch: selbstständig) bei Finanzamt anmelden, so ist dies unschädlich, so lange nicht eine Betriebsprüfung nachträglich ein Gewerbe feststellt. Eine Sicherheit für die Einstufung als Freiberufler im steuerlichen Sinne gibt nur die so genannte "verbindliche Auskunft" des Finanzamtes. Eine derartige Festlegung der Finanzverwaltung ist jedoch mit sehr hohen Anforderungen und Kosten verbunden. Unsere Empfehlung ist, der Anzeige der Aufnahme einer freiberuflichen (selbstständigen) Tätigkeit eine schriftliche Begründung beizufügen.

Da Sie sich innerhalb des Entscheidungsspielraumes der Finanzverwaltung bewegen, biete ich meine weitere Unterstützung im persönlichen Kontakt an.

Quelle:
Dr. Willi Oberlander
Geschäftsführer
Institut für Freie Berufe an der Friedrich-Alexander-Universität
Erlangen-Nürnberg e.V. (IFB)
Januar 2015

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