Es ist Zeit, sich auf dem Energiesektor zukunftsfähig und nachhaltig neu auszurichten.

Datum
01.04.2022

Um zukunftsfähige und nachhaltige Ideen zu fördern, stellt das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz Gründerinnen und Gründern Unterstützungsmöglichkeiten zur Verfügung. Förderprogramme, wie etwa das Green Start-up Programm oder die Gründungs- und Hochschulförderung von EXIST, engagieren sich für innovative und wirtschaftlich tragfähige Zukunfstlösungen. Wie das konkret aussehen kann, zeigen wir anhand vielversprechender Existenzgründungen auf. Den Status quo infrage stellen, Ideen entwickeln und umsetzen, um Visionen Wirklichkeit werden zu lassen – genau das tun Start-ups von EXIST, aber eben so auch viele Preisträgerinnen und Preisträger der vom BMWK ausgerichteten Wettbewerbe „Digitales Start-up des Jahres“, „Gründerwettbewerb – IKT Innovativ“, „Gründerwettbewerb – Digitale Innovationen“ oder auch der „Deutsche Innovationspreis für Klima und Umwelt“ (IKU), der aus Mitteln der Nationalen Klimaschutzinitiative des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz gefördert wird.

Es ist Zeit, sich auf dem Energiesektor zukunftsfähig und nachhaltig neuauszurichten.
© Adobe Stock / Es sarawuth

Hier stellen wir Ihnen spannende Unternehmensgründungen im Energiesektor sowie rund um den Klimaschutz vor, die sich der Problemlösung bei Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung und Unabhängigkeit unserer zukünftigen Energieversorgung annehmen. So würden Frieden und Klimaschutz Hand in Hand gehen. Zudem können diese Best-Practice-Beispiele Menschen Mut machen und sie darin bestärken, sich mit ihren Ideen selbst zu verwirklichen und einen wichtigen Beitrag für unsere Gesellschaft zu leisten. Die Zeit der Zögerlichkeit ist vorbei. Wir brauchen jetzt Menschen und Macher, die Wirtschaft und Gesellschaft fit für die Zukunft machen – Unternehmensgründerinnen und -gründer, die unsere Zukunft gerechter, gesünder, nachhaltiger und klimafreundlicher umgestalten. Welche Ideen bereits umgesetzt werden, zeigen wir Ihnen hier:

  • WASSERSTOFF

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Wasser, Stoff der Zukunft
Für den langfristigen Erfolg der Energiewende wird grüner Wasserstoff als vielfältig einsetzbarer Energieträger eine Schlüsselrolle einnehmen. Grüner Wasserstoff, der ohne CO₂-Emissionen auf Basis erneuerbarer Energien hergestellt wird, ermöglicht die Dekarbonisierung in Bereichen, in denen Energieeffizienz und die direkte Nutzung von Strom aus erneuerbaren Energien den Bedarf nicht ausreichend decken können. Dies betrifft vor allem die Schwerindustrie (Stahl, Chemie, usw.) und bestimmte Verkehrsbereiche wie die Luft- und Schifffahrt oder den Schwerlastverkehr.

Leuchtturmprojekt für Grüne Wasserstoff-Forschung im Rheinischen Revier
Im Lichte jüngster Entwicklungen erscheint das bereits im vergangenen Jahr initiierte Wasserstoff-Cluster in Nordrhein-Westfalen als Eckpfeiler einer neuen deutschen Energieversorgungspolitik. Bis zum Jahr 2038 fließen 860 Millionen Euro in den Ausbau des großangelegtes Forschungs- und Innovationsclusters für einen Strukturwandel im Rheinischen Braunkohlerevier. Start-ups sind dabei ein zentrales Vehikel, um die Entwicklung der Wasserstoffwirtschaft zu beschleunigen. NRW und Bayern vereinen über die Hälfte dieser Unternehmen auf sich.

  • WIND

90 % weniger Material als herkömmliche Windkraftanlagen
Die auf Flugdrachen basierenden Windkraftanlagen der SkySails Power GmbH (Hamburg) sparen gegenüber herkömmlichen Windkraftanlagen 90 % Material ein, haben eine erhöhte Grundlastfähigkeit und eignen sich besonders für abgelegene Regionen sowie Stark- und Schwachwindgebiete. Das Projekt ist für den „Deutschen Innovationspreis für Klima und Umwelt“ (IKU) nominiert.

  • SYNTHETISCHE KRAFTSTOFFE

Von der Idee vom Sprit aus recycelten Gasen
Das Gründer-Team von Ineratec nutzte seinen EXIST-Forschungstransfer zur Entwicklung von hochautomatisierte Power-to-X Anlagen zur Herstellung von e-Fuels. Diese synthetischen Kraftstoffe, wie e-Diesel, e-Benzin, e-Kerosin und e-Methanol werden aus erneuerbaren Energien und CO2, beispielsweise aus Biogasanlagen oder der CO2-Abscheidung aus der Luft gewonnen. Bereits 2021 hat INERATEC im Emsland in Niedersachsen die bisher weltweit größte Pilotanlage zur Herstellung von nachhaltigem e-Kerosin eröffnet. Dort stellt das Unternehmen von Mitgründer Tim Böltken Kraftstoffe aus recycelten Gasen her. "Früher hat man die Gase einfach nur abgebrannt. Diese sogenannten Fackelgase verursachen einen gigantischen Treibhausgasausstoß und gewaltige Kosten. Mit unseren Anlagen können diese Gase direkt am Entstehungsort in ein speicherfähiges Produkt umgewandelt und wieder in den Stoffkreislauf zurückgeführt werden", sagte Böltken im Interview mit EXIST.

  • SOLARTREIBSTOFFE

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Erste Fluggesellschaft bereitet Umstellung auf Kerosin aus Sonnenenergie vor
In Jülich unterhält das Deutsche Luft- und Raumfahrtzentrum eine der größten Testanlagen für kommerzielle solarthermische Kraftwerke und für die Entwicklung solarer Brennstoffe. Noch in diesem Jahr soll die weltweit erste Anlage zur industriellen Produktion solarer Treibstoffe folgen, die das Schweizer Start-up Synhelion bauen will. Mit der Idee, Sonnenlicht in Kerosin zu verwandeln, konnte bereits die Fluggesellschaft Swiss überzeugt werden, die ihre Flugzeuge ab 2023 mit Solarkerosin betanken will.

Solarfolien aus organischer Photovoltaik
Heliatek (Dresden) ist es gelungen, dünne, leichte und flexible Solarfolien auf Basis organischer Photovoltaik zur Marktreife zu bringen. Sie zeichnen sich durch einen Carbon Footprint von weniger als 10 g CO2e/kWh, eine Energy Payback Time kleiner drei Monate und eine Carbon Payback Time kleiner sechs Monate aus und zählen somit zu den saubersten Stromerzeugungstechnologien. Das Projekt ist für den „Deutschen Innovationspreis für Klima und Umwelt“ (IKU) nominiert.

  • STROM AUS ALTERNATIVEN ENERGIEQUELLEN

Biomethan aus Stroh
Die VERBIO Vereinigte BioEnergie AG (Leipzig) hat in Indien eine 20-MW-Biomethan-Anlage errichtet. Darin wird Stroh umgesetzt, welches sonst auf den Feldern verbrannt werden würde, wodurch Luftverschmutzung vermieden und CO2-Emissionen gespart werden. Das Projekt ist für den „Deutschen Innovationspreis für Klima und Umwelt“ (IKU) nominiert.

  • ENERGIEMANAGEMENT

Von der Ausgründung zum Marktführer für die Integration Erneuerbarer Energien
Die Gründenden der Next Kraftwerke GmbH überzeugten mit der Idee, ein virtuelles Kraftwerk aus dezentralen Stromerzeugungsanlagen zu gründen. Von der Vernetzung von Notstromaggregaten über Biogas-, Photovoltaik- und Windkraftanlagen bis zum mittlerweile größten virtuellen Kraftwerk Europas. Die Gründer Jochen Schwill und Hendrik Sämisch schreiben ihr Start-up-Märchen nun mit Shell weiter und erklären, warum so die Energiewende in Richtung erneuerbare Energien schlagkräftiger wird.

Geballte Frauenpower für Analysen zur strategischen Umsetzung der Energiewende
Mit ihrem Webtool bieten Christina Vogel und Dr. Sabine Auer Stadtwerken, Energieversorgern und Netzbetreibern die richtigen Analysen zur strategischen Umsetzung der Energiewende an. Mit der Forschung an Stromnetzen war es den Gründerinnen eine Herzensangelegenheit, das zentrale Hindernis für die Energiewende anzugehen.

Nachhaltiges Energiemanagement mit KI
Wie kann das Energiemanagement in Industrieunternehmen nachhaltiger gestalten werden? Diese Frage stellten sich die Gründer von etalytics und entwickelten unter anderem eine KI-basierte IoT-Plattform, auf der Energiedaten in chtzeit analysiert und komplexe Energiesysteme so optimiert werden. Dafür wurden sie als Haupt- und Sonderpreisträger aus der Runde 1/2019 des „Gründerwettbewerb – Digitale Innovationen“ ausgezeichnet.

Crowdfunding-Plattform zur Finanzierung von Energieeffizienzprojekten
Auf der Crowdfunding-Plattform bettervest können Geldgeber bereits Kleinstbeträge ab 50 Euro investieren – und davon profitiert nicht nur der eigene Geldbeutel, sondern auch die Umwelt: bettervest ist auf die Finanzierung von Energieeffizienzprojekten spezialisiert und unterstützt Unternehmen so bei der Einsparung von CO2. 2013 wurden die Unternehmer beim „Gründerwettbewerb – IKT Innovativ“ für ihr Geschäftsmodell mit einem Preis ausgezeichnet.

Smarte Energieversorgung
Die Grundfos GmbH (Erkrath) hat mit iGRID eine Lösung entwickelt, mit der Fernwärmenetze in einzelne Zonen unterteilt werden können. Durch eine intelligente Datenerfassung und -auswertung in Echtzeit lässt sich die Energieversorgung in diesen Zonen gezielter an den Bedarf anpassen und dabei die Temperatur absenken. Durch die Reduzierung der Vorlauftemperaturen können CO2-Emissionen gespart, alternative Energiequellen eingesetzt und die Lebensdauer der Leitungen erhöht werden. Das Projekt ist für den „Deutschen Innovationspreis für Klima und Umwelt“ (IKU) nominiert.

  • ENERGIESPEICHERUNG

Dresdener Hardware-Start-up überzeugt dank enormer Energieeinsparung
Die Gründenden von Ferroelectric Memory beschäftigen sich mit einer neuartigen Datenspeichertechnologie zur Reduzierung des Energieverbrauchs. Mit dem Patent für ihre Technologie wollen sie sich im Hightech-Bereich etablieren. Sie reduzieren damit den Energieverbrauch bis zu einem Faktor 1.000.

Verlängerung der Lebensdauer von Batterien für Elektrofahrzeuge um 25 Prozent
Die mit dem 3. Platz zum „Digitales Start-up des Jahres 2021“ vom BMWK prämierte TWAICE Technologies GmbH hat eine Software herausgebarcht, die es ermöglicht, die Entwicklung und den Betrieb von Batterien für Elektrofahrzeuge zu optimieren. Diese Optimierung technischer Parameter auf Basis der Software ermöglicht eine Lebensdauerverlängerung der Batterien von bis zu 25 Prozent und eine erhebliche Reduzierung von Sicherheits- und Garantierisiken. Als Anbieter von Batterie-Analytiksoftware für globale Unternehmen des Mobilitäts- und Energiesektors erhöht TWAICE die Lebensdauer, Effizienz und Nachhaltigkeit von Produkten, die die Wirtschaft von morgen vorantreiben.

  • KLIMASCHUTZ

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Mit der Messung von Bodentemperaturen hoch hinaus
Die Freiburger Gründer von ConstellR konnten ihre Technologie auf der Internationalen Raumstation ISS einbringen. Die Messung von Bodentemperaturen auf Basis von hochaufgelösten Thermaldaten aus dem Erdorbit ist die Geschäftsidee der Gründer Dr. Max Gulde, Marius Bierdel und Christian Mittermaier. Ihre Idee steht für eine hochpräzise Landwirtschaft, ein temperaturabhängiges Pflanzengesundheitsmanagement, Ertragsprognosen und ein nachhaltiges Ressourcenmanagement.

Palmölersatz aus dem Labor, um Klima und Ressourcen zu schonen
Dem jungen Forschungsteam von Colipi ist es gelungen, aus Zuckerrohrmelasse mithilfe von Hefen pflanzliche Öle zu züchten. Dabei kommt Fermentation im Sinne zellulärer Landwirtschaft zum Einsatz. Im Labor gelang es bereits, die entstandenen Lipide, die viele Funktionen herkömmlichen Palmöls imitieren, zu erzeugen. Zusätzlich lassen sie sich derzeit ein Verfahren patentieren, bei dem durch die Fermentation kein Kohlendioxid entsteht.

  • UMWELTSCHUTZ

Flächendeckende Überwachung der Luftqualität in Echtzeit
Feinstaub, Kohlenmonoxide, Ozon oder Stickoxide: Seit Jahren wird über die schlechte Luftqualität in deutschen Großstädten und ihre Folgen diskutiert. Entscheidungsträger haben nicht genug Daten, um die Luftqualität und Luftverbesserungsmaßnahmen ausreichend beurteilen zu können. Dafür entwickelte Breeze Technologies , Preisträger des „Gründerwettbewerb – Digitale Innovationen 2018“ des damaligen BMWi, Miniatur-Sensoren, um flächendeckend und in Echtzeit die Luftqualität zu überwachen. Damit können Daten wie Temperatur, Feinstaub- und Stickoxidbelastung in einer zentralen Cloud-Plattform gesammelt und mit externen Quellen wie etwa Wetterdaten erweitert werden.

  • RESSOURCENSCHONUNG

Umrüstung auf die neueste Sensortechnologie
ZEISS PerformanceFit der Carl Zeiss Industrielle Messtechnik GmbH (Oberkochen) bietet eine umfassende Nach- bzw. Umrüstlösung für Koordinatenmessgeräte und trägt damit zur Ressourcenschonung bei. Durch die Umrüstung wird die neueste Sensortechnologie nutzbar, die Lebenszeit der Geräte wird um mindestens zehn Jahre verlängert und der Energiebedarf (Strom, Druckluft) wird reduziert. Das Projekt ist für den „Deutschen Innovationspreis für Klima und Umwelt“ (IKU) nominiert.

Die hier aufgeführten und durch das BMWK geförderten Start-ups sind gute Beispiel für den Transfer wissenschaftlichen Wissens in die Gesellschaft in Form eines innovativen Produkts. Zudem sind sie innovativ und beinhalten ökologischen Gründungsgeist. ,Grüne‘ Start-ups sind stark im Kommen, so Dr. Katharina Reuter, Geschäftsfühererin des Bundesverbands Nachhaltige Wirtschaft e.V., im EXIST-Interview. Knapp ein Drittel aller Start-ups in Deutschland ist laut des Green Startup Monitors von 2022 im Bereich der ökologischen Nachhaltigkeit zu verorten. Lassen auch Sie sich von den Möglichkeiten inspirieren, eine grüne, nachhaltige Zukunft mitzugestalten. Eine Krise ist immer auch eine Chance.

Stand: April 2022

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