„Mit Ablauf der EXIST-Förderung hatten wir die erste Finanzierungsrunde abgeschlossen, und sie war zugleich die wichtigste.“

Datum
27.04.2022

Wir haben mit der Mitgründerin Lena Jüngst gesprochen.

Porträt von air up

Frau Jüngst, Sie haben gemeinsam mit Ihrem ehemaligen Kommilitonen Tim Jäger eine Idee gehabt, sie weiterverfolgt und umgesetzt. Wie genau kamen Sie darauf, dem Wasser Geschmack zu verleihen, ohne dabei Zusatzstoffe zuzuführen?

Lena Jüngst: Die Idee ist in unserer Produktdesign-Bachelorarbeit entstanden, inspiriert durch einen Vortrag aus dem neurowissenschaftlichen Bereich. Es ging darum, wie sich die menschliche Sinneswahrnehmung positiv beeinflussen lässt. Für unsere Bachelorarbeit zum Thema „Neuroscience meets Design“ haben wir dann die Probleme unserer heutigen Gesellschaft recherchiert und sind darauf gestoßen, dass Diabetes, Übergewicht und auch Plastikmüll zu den größten überhaupt zählen. Ausgelöst durch übermäßigen Zuckerkonsum, ungesunde Ernährungsweisen und Einwegverpackungen. Zudem erfuhren wir, dass rund 80 Prozent der Geschmackswahrnehmung über die Nase erfolgt und nicht über die Zunge – das sogenannte retronasale Riechen. Dieses Phänomen war es dann auch, das mich und meinen Kommilitonen Tim Jäger versuchen ließ, wie man mittels smart eingesetztem Design Thinking in unserer Bachelorarbeit Geschmack allein über den Duft transportieren kann. Ganz ohne das Hinzufügen von Zucker oder anderen schädlichen Zusätzen. Die Idee zu air up war geboren.

Der Geschmack ist bei air up vom jeweiligen Duftpod in der Flasche abhängig. Wie lange haben Sie an Flasche und Pods getüftelt?

Lena Jüngst: Von der initialen Idee bis zum funktionierenden Prototypen hat es gute sechs Wochen gedauert. Und dann bis zu unserer nun erhältlichen Trinkflasche noch einmal fast zwei Jahre. Bei den Pods war es ähnlich. Zum Testen haben wir anfangs Backaromen verwendet. Dann kam ein Freund von uns dazu, der Lebensmitteltechnologie studiert hat. Fabian Schlang ist ebenfalls Mitgründer und hat unsere Pods aromaseitig weiterentwickelt. Mittlerweile produzieren wir diverse Pods, die wir aus rein natürlichen Aromen ausgewählter Früchte, Pflanzen und Gewürze gewinnen.

Wie lange dauerte es, die Idee konkret in eine Gründung zu bringen und wie sind Sie dabei vorgegangen?

Lena Jüngst: Als wir den Prototypen fertiggestellt hatten, waren wir uns des Potentials unserer Idee noch nicht so sehr bewusst. Tim und ich haben Produktdesign studiert. Den kaufmännischen Teil hatten wir entsprechend nicht so stark im Blick. Als ein Jahr später, 2017, unser Lebensmitteltechnologe und heutiger COO Fabian sowie Jannis Koppitz, Betriebswissenschaftler und heutiger CEO, hinzukamen, nahm alles Gestalt an. Wir wurden auf die Gründungsberatung der TU München aufmerksam und Jannis schrieb unseren ersten Businessplan. Da waren wir dank der Unterstützungsangebote bald von der bloßen Idee auf dem Weg zur eigenen Gründung. Vom Start-up Mentoring haben wir vor allem in wirtschaftlichen, technischen und auch rechtlichen Fragen profitiert. Genau wie vom TUM Entrepreneurship Expertennetzwerk. Ganz essenziell war die EXIST-Förderung. Mit Ablauf der EXIST-Förderung hatten wir die erste Finanzierungsrunde abgeschlossen und sie war zugleich die wichtigste. Das war schließlich das erste Feedback, dass unser Produkt für den Markt interessant sein kann.

Sie haben für zwölf Monate eine EXIST-Förderung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) erhalten. Wie kam das zu Stande und was hat das Stipendium konkret bewirkt?

Lena Jüngst: Fabian hat uns das EXIST-Gründerstipendium vorgestellt, da er das über seine Universität kannte. Zusammen mit der TUM Gründungsberatung, die auch über ein tolles Start-up-Netzwerk verfügt, haben wir uns dann für EXIST beworben. Das EXIST-Gründerstipendium, das uns ein verlässliches Gehalt bescherte, hat uns enorm weitergeholfen. In dieser Zeit haben wir in erster Linie unser Trinksystem weiterentwickelt und für den Verkauf vorbereitet. Die Tatsache, dass wir uns von da an voll und ganz auf unser Projekt fokussieren konnten, hat uns den Durchbruch ermöglicht. Das war für uns der größte Mehrwert. Hätten wir uns nicht ohne einen Nebenjob auf air up konzentrieren können, hätten wir es wohl nicht geschafft.

Wie ging es nach dem EXIST-Gründungsstipendium weiter?

Lena Jüngst: Dank des EXIST-Gründerstipendiums und der damit verbundenen Verlagerung unseres Büros an die Technische Universität München hat unser Vorhaben enorme Fahrt aufgenommen. Wir haben in der Folge noch weitere Förderungen für nachhaltige Unternehmen bekommen. Mit air up reduzieren wir schließlich nicht nur den Zuckerkonsum, sondern sparen auch Plastik und CO2 ein. Ein Duft-Pod aromatisiert zwischen fünf und sieben Liter Wasser. Würde man stattdessen Softdrinks oder aromatisiertes Wasser im Supermarkt kaufen, entspräche das etwa fünf bis zehn PET Plastikflaschen. Mit Hilfe der verschiedenen Stipendien konnten wir auch namhafte Investoren gewinnen, durch deren finanzielle Unterstützung Anfang 2019 die Serienproduktion beginnen konnte.

Was sind Ihre strategischen Ziele für die Zukunft?

Lena Jüngst: Wir wollen natürlich weiterwachsen und arbeiten auf Hochtouren daran, einen verantwortungsvollen Konsum für die Menschen emotional attraktiv zu machen. Bald auch in den USA. Das ist ein interessanter Markt, da dort gezuckerte Getränke noch einen ganz anderen Stellenwert haben. Gerade bauen wir ein amerikanisches Team auf.

Wie wichtig ist es, die richtigen Kapitalgeber frühzeitig für das eigene Start-up zu begeistern und wie ist Ihnen das gelungen?

Lena Jüngst: Ein wertvoller Nebeneffekt des EXIST-Gründerstipendiums ist es, dass man mit vielen anderen Start-ups zusammenkommt, die oft vor den gleichen Herausforderungen stehen und ähnliche Probleme bewältigen müssen. Dabei erweitert sich das Netzwerk ständig und man kommt auch mit potenziellen Investoren in Kontakt. Darunter war letztendlich ein Investor, der von der Idee begeistert war und an uns geglaubt hat. Unser Innovationsaspekt sowie die Kombination aus Food und Tech haben überzeugt. Wir haben von Beginn an nach Kapitalgebern gesucht, die uns nicht nur finanziell, sondern auch mit ihrer Expertise unterstützen können. Der zweite Investor, der dann dazukam, hatte Know-how in der Produktion und der Dritte hatte bereits erfolgreich amerikanische Getränkemarken in Europa etabliert. Das war für uns die perfekte Konstellation.

Das komplette Interview lesen Sie auf der Webseite von EXIST, einer Seite des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz.

Stand: März 2022

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