„Als ‚Kultur- und Kreativpilotin‘ konnte ich Netzwerk und Know-how ausbauen.“

Datum
27.10.2016

Kristina Wißling, Origami für die Industrie

Die Kommunikationsdesignerin Kristina Wißling hatte sich bereits während ihres Studiums auf japanische Papierfalttechniken spezialisiert. Als sie sich vor acht Jahren selbständig gemacht hat, dachte sie nicht, dass auch Industriebetriebe und Forschungseinrichtungen an Origami interessiert sein könnten.

Kristina Wißling hält ein Stück Origami in der Hand © Rainer Wohlfahrt

Frau Wißling, Sie bieten Origami für die industrielle und universitäre Forschung und Entwicklung an. Das ist eher ungewöhnlich.

Wißling: Ich weiß, aber zu meinen Auftraggebern gehören tatsächlich Unternehmen und Hochschulen, die mithilfe von Falttechniken ein bestimmtes Problem lösen möchten. Dabei geht es zum Beispiel um große Flächen, die aus räumlichen oder funktionalen Gründen minimiert werden müssen. Oder um Materialien, die so konstruiert werden sollen, dass die industrielle Produktion aus einem Stück möglich ist, was die Produktion deutlich material- und zeitsparender macht. Hin und wieder gibt es auch besondere Aufträge. Zum Beispiel habe ich einen Papierpanzer in Originalgröße für das Militärhistorische Museum der Bundeswehr in Dresden gefaltet.

Auf die Idee, japanische Papierfalttechniken für die Industrie anzubieten, kommt man nicht automatisch, oder?

Wißling: Nein. Ich habe die ersten beiden Jahre nach meinem Studium auch ganz klassisch als freiberufliche Illustratorin gearbeitet. Nach einer Weile ist dann die Idee entstanden, Origami für die Industrie anzubieten. Und in meinem Businessplan, den ich daraufhin geschrieben habe, hat das Ganze dann konkrete Formen angenommen. Trotzdem war die Akquise zunächst schwierig. Erst als der Papierpanzer und auch ein Formel-1-Wagen aus Papier entstanden waren und durch die Presse gingen, haben sich auf einmal Unternehmen gemeldet. Und seitdem brauche ich mich um die Akquise eigentlich nicht mehr zu kümmern.

Kristina Wißling hält ein Stück Origami in der Hand © Guido Michallik

Wie haben Sie sich das notwendige Know-how für Ihre Selbständigkeit angeeignet?

Wißling: Mein erstes Gründerseminar habe ich an der Volkshochschule besucht. Außerdem habe ich noch das Zertifikatstudium „Kulturarbeit und Kreativwirtschaft“ an der TU Dortmund absolviert. Ich habe dann durch die Förderung, die es damals im Rahmen von „RUHR.2010 – Kulturhauptstadt Europas“ für Selbständige in der Kultur- und Kreativwirtschaft gab, eine sehr gute Beraterin kennengelernt. Und über die Teilnahme am Gründerwettbewerb start2grow konnte ich mir ein ganz gutes Netzwerk mit Mentoren und Coachs aufbauen. Im selben Jahr wurde ich außerdem noch von der Initiative Kultur- und Kreativwirtschaft der Bundesregierung als Kultur- und Kreativpilotin ausgezeichnet. Darüber haben sich mein Netzwerk und Know-how nochmals vergrößert.

Haben Sie noch einen Tipp für andere Gründerinnen und Gründer parat?

Wißling: Wichtig ist, sich schon während des Studiums auf die Selbständigkeit vorzubereiten, frühzeitig Kontakte zu knüpfen und ein Netzwerk aufzubauen. Nicht nur mit Kommilitonen, sondern auch mit Leuten aus ganz anderen Kreisen, mit denen man normalerweise nichts zu tun hat. Einfach in andere Bereiche hineinschauen und nicht nur ‚im eigenen Saft schmoren‘.