„Die richtige Antwort auf den Fachkräftemangel.“

Datum
01.09.2018

Dass eine Unternehmensnachfolge genau die richtige Antwort auf den Fachkräftemangel sein kann, zeigt das Beispiel von Philipp Denz. Er hat in 2017 die Müller Elektrotechnik GmbH im oberschwäbischen Bad Schussenried übernommen. Das 35 Jahre alte Unternehmen ist spezialisiert auf Gebäudetechnik mit dem Schwerpunkt auf Anlangen für die Nutzung regenerativer Energien.

Philipp Denz, ein Mann mit Brille, vor einer Wand mit verschiedenen Modellen von Sprechanlagen. Philipp Denz
© Martina Dach

Herr Denz, aus welchen Gründen haben Sie sich für eine Nachfolge entschieden? Warum haben Sie nicht einfach ein Unternehmen neu gegründet?

Denz: Zunächst einmal habe ich generell in der Entscheidung, mich selbständig zu machen, eine gute Chance gesehen, mich persönlich weiterzuentwickeln und meine Ideen in die Tat umzusetzen. Als Angestellter in einem Konzern habe ich doch leider immer wieder feststellen müssen, dass Verbesserungsvorschläge aufgrund der schwerfälligen Strukturen nicht oder nur sehr langsam umgesetzt wurden. Das war auf die Dauer frustrierend.

Warum ich mich dann für eine Nachfolge und nicht für eine Neugründung entschieden habe, lag vor allem daran, dass ich in der Übernahme eines bestehenden Unternehmens eine gute Möglichkeit gesehen habe, um dem allseits herrschenden Fachkräftemangel zu begegnen. Ich habe elf qualifizierte und erfahrene Mitarbeiter übernommen und damit vom Start weg eine sehr gute Basis gehabt, die ich inzwischen erfolgreich ausbauen konnte. Heute sind es 13 Mitarbeiter und ein Auszubildender.

Was bietet Ihr Unternehmen an?

Denz: Wir sind spezialisiert auf Einfamilien- und Mehrfamilienhäuser und bieten die komplette Installation im Bereich Elektro, Heizung und Sanitär an. Wobei unser Schwerpunkt im Bereich regenerative Energien, also Photovoltaik und Wärmepumpen liegt.

Sie haben das Unternehmen über die nexxt-change Unternehmensnachfolgebörse gefunden.

Denz: Ja, es gibt zwar viele Plattformen, auf denen Unternehmen zum Verkauf angeboten werden, aber nexxt-change hat schon das größte Angebot. Bei dem Elektrotechnik Unternehmen von Herrn Müller kam dazu, dass ich nicht nur über die nexxt-change Börse darauf aufmerksam wurde, sondern mir der Betrieb auch über meine Kontakte hier vor Ort empfohlen wurde. Von daher war das schon ein deutlicher Hinweis darauf, dass es sich um ein solides Unternehmen handelt.

Wie haben Sie sich auf die Übernahme vorbereitet?

Denz: Vom ersten Gespräch bis zur Vertragsunterzeichnung hat es ungefähr ein Jahr gedauert. Im Rahmen des Moderatorenkonzepts Unternehmensnachfolge Baden-Württemberg wurden sowohl Herr Müller als auch ich über den gesamten Nachfolgeprozess von der Industrie- und Handelskammer Ulm hinweg begleitetet. Ich erfuhr darüber zum Beispiel, welche Fördermöglichkeiten es gibt. Außerdem konnte ich mich mit Hilfe eines Steuerberaters in die Unternehmensunterlagen einarbeiten – nicht zuletzt um den Unternehmenswert zu ermitteln. Natürlich ging es auch um die Finanzierung des Kaufpreises, so dass ich sowohl von der Hausbank des Unternehmens als auch – zum Vergleich – von einer weiteren Bank ein Angebot eingeholt habe. Beide waren aber letztendlich sehr ähnlich.

Beim Kaufpreis gehen die Vorstellungen zwischen Unternehmer und Nachfolger nicht selten auseinander. Wie war das bei Ihnen und Herrn Müller?

Denz: Das ist ein Punkt, den ich der IHK Ulm hoch anrechnen muss. Unser Nachfolgemoderator Joachim Rupp hat uns sozusagen beide „ins Gebet“ genommen und dazu beigetragen, dass wir uns auf einen reellen Preis geeinigt haben. Einerseits hat er meinen Vorgänger in gewisser Weise geerdet, was seine Preisvorstellung anging, andererseits hat er mir klar gemacht, dass ein vernünftiges Unternehmen nicht „für ’n Appel und ’n Ei“ zu haben ist. Von daher gab es keine großen Differenzen zwischen uns.

Wissen Sie, warum sich Herr Müller letztendlich für Sie als Nachfolger entschieden hat?

Denz: Ein Vorteil ist sicherlich, dass ich aus der Region komme. Entscheidend waren aber meine beruflichen Erfahrungen. Im Unterschied zu den vielen anderen Bewerbern, war ich in den letzten 20 Jahren nicht nur im Installationsbereich auf Baustellen tätig. Im Gegenteil: Ich war im Anlagenbau, Maschinenbau, Vertrieb und in der Projektleitung „unterwegs“ und habe jede Menge Führungserfahrung gesammelt. Allein fünf Jahre lang habe ich das Projekt für einen Schaltschrankbau mit 20 Mitarbeitern geleitet. Zuvor war ich in Projekte für große Bürogebäude sowie Flughäfen involviert und zweieinhalb Jahre im Dienstleistungsvertrieb für einen Netzbetreiber beschäftigt. Von daher bin ich durchaus auch erfahren im Umgang mit Kunden.

Was würden Sie anderen nachfolgeinteressierten Gründern empfehlen? Worauf kommt es an?

Denz: Wichtig ist, dass man sich mit allen Aspekten einer Unternehmensnachfolge befasst, sich über das Unternehmen umfassend informiert und sich die Zeit nimmt, das ganze Vorhaben reifen zu lassen. Schließlich handelt es sich bei der Übernahme eines Unternehmens um eine sehr weitreichende Entscheidung, die nicht nur einen selbst, sondern auch die eigene Familie und natürlich auch die Mitarbeiter des Unternehmens betrifft. In dem Zusammenhang muss einem auch bewusst sein, dass man als Unternehmer keine 40-Stunden-Woche hat. Man ist in der Regel morgens bei den Ersten und abends bei den Letzten, die das Unternehmen verlassen. Umso wichtiger ist es, dass man Ruhephasen einlegt. Dieses „Abschalten können“ muss man lernen. Am Wochenende gehe ich zum Beispiel nicht ans Telefon. Anderenfalls wäre ich sieben Tage die Woche nonstop eingespannt und das geht dann ganz klar auf Kosten der Gesundheit und des Familienlebens.

Wenn Sie zurückblicken: War die Entscheidung, vom Angestellten- ins Unternehmerleben zu wechseln, die richtige?

Denz: Ja, rückblickend war es die richtige Entscheidung. Auch wenn sie mit mehr Arbeit und mehr Anstrengung verbunden ist - aber auch mit mehr Erfüllung. Und ich denke, das ist das Wichtigste.

Die Langfassung dieses Interviews finden Sie auf der Webseite der Unternehmensnachfolgebörse nexxt-change.

Stand: September 2018

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