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„Wenn ich morgens die Tür meiner Firma aufschließe, lächle ich und denke: Alles ist gut!“

Screenshot aus dem Selfie-Clip von Volker Villing

Volker Villing, Gründer und Geschäftsführer eines Unternehmens der Kunststofftechnik in Böttingen (BW)

Seit seiner Ausbildung 1989 zum Kunststoff-Formgeber hat ihn dieser besondere Werkstoff nicht mehr losgelassen. Doch so groß wie die Begeisterung für Kunststoff, so groß wurde über die Jahre auch die Unzufriedenheit mit Arbeitgebern, denen Geschäftszahlen wichtiger sind als das Wohl ihrer Mitarbeiter. Nach knapp 30 Jahren Berufserfahrung hatte Villing davon genug und wagte den Schritt in die Selbständigkeit.

Herr Villing, Sie haben sich vergleichsweise spät selbstständig gemacht? Wie kam es dazu?

Villing: Den Wunsch, mich selbstständig zu machen, hatte ich schon früher. Mit einem meiner ehemaligen Chefs hatte ich seinerzeit sogar schon ganz konkrete Verhandlungen geführt, als der sich aus Altersgründen aus seinem Unternehmen zurückziehen wollte. Aber damals hat es aus verschiedenen Gründen nicht gepasst. Als ich dann aber in den letzten beiden Unternehmen, in denen ich gearbeitet habe, feststellen musste, dass es nur noch um Umsatz und Leistung ging und die Mitarbeiter immer weniger zählten, habe ich mir irgendwann gesagt: Das macht für mich keinen Sinn mehr, ich mache mich jetzt selbstständig! Denn für mich war immer klar: Die Menschen sind das wertvollste Gut, das ein Unternehmen hat – sowohl die Mitarbeiter als auch die Kunden. Deshalb wollte ich ein Unternehmen gründen, dass wirtschaftlich erfolgreich läuft, dabei aber menschlich ist und bleibt.


Wie genau ist denn die Gründung Ihres eigenen Unternehmens abgelaufen?

Villing: Holpriger als es hätte sein müssen (lacht). Ich konnte zwar mit einem Gründungszuschuss der Agentur für Arbeit starten, weil ich mich aus einer kurzen Arbeitslosigkeit heraus selbstständig gemacht hatte. Aber im ersten Jahr bekam ich nicht so richtig Wasser unterm Kiel, weil ich einfach nicht die richtigen Berater hatte. Erst als ich mich an die IHK gewandt und ihnen meinen Fall geschildert hatte, bekam ich die Unterstützung, die ich von Anfang an benötigt hätte. Seitdem läuft die Firma so gut, dass wir bereits einen kleinen Anbau benötigen, um die ganzen Aufträge auch weiterhin bearbeiten zu können.

Was gehört für Sie dazu, um sich selbstständig zu machen?

Villing: Vor allem Disziplin. Ich arbeite ja für mich selbst und könnte morgens auch sagen: Ich gehe erst um 9 oder 10 zur Arbeit. Aber nein! Ich bin jeden Morgen zwischen 6 und 7 vor Ort, weil ich klare Ziele habe und sich diese nur mit Disziplin erreichen lassen. Und natürlich mit den richtigen Partnern – vor allem mit meinen beiden Mitarbeitern, aber auch mit unseren Kunden und natürlich den Beratern, die uns nach wie vor zur Seite stehen.

Was raten Sie anderen Gründerinnen und Gründern?

Villing: Geht direkt zur IHK und lasst euch beraten! Dort sitzen die Experten, die euch professionell weiterhelfen. Hätte ich diesen Rat befolgt, wäre vieles einfacher gelaufen. Aber irgendwie gehören die Fehler, die man macht, ja auch dazu – man lernt schließlich daraus. Wenn ich morgens die Tür meiner Firma aufschließe, lächle ich mittlerweile und denke: Alles ist gut!

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