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„Aufgeben war keine Option“

Screenshot aus dem Selfie-Clip von Anja Conz-Springorum

Anja Conz-Springorum, Nachfolgerin und Geschäftsführerin eines Betriebs in der Härte- und Oberflächentechnik in Spaichingen (BW)

Von der Pflichterfüllung zur Unternehmerin aus Leidenschaft – der Weg von Anja Conz-Springorum in die Selbständigkeit war alles andere als geplant. Heute ist die 42jährige, die eigentlich Maskenbildnerin werden wollte, nach insgesamt drei Unternehmensnachfolgen erfolgreiche Geschäftsführerin eines mittelständischen Betriebs in der Metallbearbeitung.

Sie haben 2000 unfreiwillig die Firma Ihrer Mutter übernommen. Wie kam es dazu und wie war es damals um den Betrieb bestellt?

Conz-Springorum: Meine Mutter, die Firmengründerin, war 2000 nach kurzer schwerer Krankheit verstorben. Ich hatte ihr versprochen, die Firma weiterzuführen und mich um meinen 17jährigen Bruder zu kümmern. Damals war ich 23 und im achten Monat schwanger und hatte ganz andere Pläne. Ich habe dann relativ schnell festgestellt, dass die Firma kurz vor der Pleite stand – meine Mutter hatte viel technischen Sachverstand, aber die Buchhaltung fand im Wäschekorb statt. Aufgeben war aber keine Option. Die Firma hatte damals elf Mitarbeiter, für die ich ja auch die Verantwortung hatte. Also habe ich mich hingesetzt und Zahlen hin- und hergeschoben. Im Prinzip habe ich das gemacht, wie man ein Haushaltsbuch führt: Wieviel Geld ist da, wie hoch sind die Ausgaben, wo kann man sparen. Kurz nach der Geburt meines Sohnes kam die Bank aus unserem Dorf auf mich zu und stieg mit einem Darlehen in siebenstelliger Höhe ein. Damit konnte es erstmal weitergehen.


Geld ist das eine, fachliches und unternehmerisches Knowhow das andere. Wie hatten Sie sich das angeeignet?

Conz-Springorum: Ich kam beruflich aus dem Export und hatte von der ganzen Materie, also Oberflächenbearbeitung und Härtetechnik, keine Ahnung. Also habe ich nach der Übernahme nochmal fünf Jahre die Schulbank gedrückt und in der Abendschule erst die theoretische Ausbildung zum Universalhärter und dann noch zum technischen Fachwirt gemacht. 2003 kam dann mein jüngerer Bruder ins Unternehmen, der eine echte Begeisterung für alles Technische hat. Eigentlich hatte ich immer vor, dann die Unternehmensführung ihm zu überlassen und auszusteigen. In den langen gemeinsamen Gesprächen wurde mir klar, dass aus Pflichterfüllung Leidenschaft geworden war. Also blieb ich und führe seitdem gemeinsam mit meinem Bruder das Unternehmen. In den vergangenen Jahren haben wir noch zwei weitere Firmen übernommen und damit unser Portfolio erweitert. Bei beiden Unternehmen war es so, dass es keine Nachfolger gab – auf die erste Firma hatte mich ein Bekannter aufmerksam gemacht, die zweite kam von sich aus auf uns zu. Mittlerweile beschäftigen wir an zwei Standorten insgesamt 38 Mitarbeiter.

Was bedeutet Selbständigkeit heute für Sie?

Conz-Springorum: Für mich ist die Firma so etwas wie ein Kunstobjekt, das ich so gestalten kann, wie ich es für richtig und gut halte. Ich kann selbständig entscheiden, ob ich diesen Weg gehe oder einen anderen. Ich muss dann auch die Verantwortung tragen. Aber es ist meine Freiheit, etwas weiterzuentwickeln.

Was raten Sie anderen Gründerinnen und Gründern?

Conz-Springorum: Man braucht definitiv Durchhaltevermögen und muss überzeugt sein von dem, was man macht. Optimismus ist wichtig, um sich immer wieder selbst zu motivieren. Und man braucht ein kaufmännisches Verständnis, technisches Knowhow alleine hilft nicht.

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