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„Keine Angst haben!“

Screenshot aus dem Selfie-Clip von Carolin Kaubisch

Carolin Kaubisch, Unternehmensnachfolgerin im Familienbetrieb und Leiterin eines Augenoptikergeschäfts in Chemnitz

Als gelernte Augenoptikerin, die im väterlichen Betrieb arbeitet, kam es für Carolin Kaubisch dennoch überraschend, schon im Alter von knapp 30 Jahren mit der Nachfolgefrage konfrontiert zu werden. Doch dann freundete sie sich mit der Perspektive und den Herausforderungen als „junge Chefin“ an. Sie führt das Unternehmen in bereits dritter Generation fort.

Wie kam es dazu, dass Sie Unternehmerin geworden sind und das Optikergeschäft von Ihrem Vater übernommen haben?

Kaubisch: Mein Vater hatte vor etwa drei Jahren ein Kaufangebot von einer großen Optikerkette erhalten. Er ging zur hiesigen IHK, um sich beraten zu lassen, und das Angebot war eigentlich in Ordnung. Aber so richtig glücklich damit war er nicht – und so fragte er mich, ob ich nicht Interesse hätte. Ich war 28 und hatte eigentlich anderes als eine solche Verantwortung im Kopf, habe mich aber auch darüber gefreut und konnte mich mit dem Gedanken anfreunden. Schließlich hatten meine Eltern 1988 das Geschäft auch schon von meinen Großeltern übernommen. Als gelernte Augenoptikerin kannte ich das Metier und wir vereinbarten, dass wir die Nachfolge langsam - mit zwei bis drei Jahren Vorlauf - angehen sollten.


Wie ist dann die Übergabe in der Praxis abgelaufen? Wo gab es Schwierigkeiten bzw. Hürden zu überwinden?

Kaubisch: Ich wollte nun - neben dem Handwerk - auch die unternehmerische Seite kennenlernen und habe zuerst einmal hier bei der Handwerkskammer in Chemnitz ein Existenzgründer-Seminar besucht - und danach den betriebswirtschaftlichen Teil der Meisterprüfung absolviert. Mein Vater gab mir auch hier und da schon Leitungsaufgaben wie z.B. die Erstellung eines Marketingplans. Außerdem habe ich mich mit anderen Jungunternehmerinnen und -unternehmern, auch aus anderen Branchen, ausgetauscht. So erhielt ich den Kontakt zu einer Unternehmensberaterin, die ich mir dann an die Seite holte. Sie hatte Erfahrung und den Blick von außen, und sie begleitete mich zu vielen Terminen z.B. bei der Bank, dem Finanzamt oder der Förderberatung. Das hat mir sehr geholfen, sie war für mich Gold wert! Die Übergabe des Hauptgeschäfts zum Jahresbeginn 2019 verlief dann - auch von der Finanzierung her - ohne Probleme. Die zwei kleineren Filialen leitet aber mein Vater bis auf Weiteres noch.

Was gehört für Sie dazu, selbständig zu sein?

Kaubisch: Auf jeden Fall: Keine Angst haben vor großen Zahlen! Man spricht hier schnell mal über Hunderttausende Euro. Und vor allem keine Scheu haben, sich als junge Chefin durchsetzen zu wollen. Als Neuling kann es sein, dass man von manchen Kunden nicht sofort akzeptiert wird als Chefin - da sollte man aber keine Angst zeigen und selbstbewusst auf die Kunden zugehen.

Was raten Sie anderen Gründerinnen und Gründern?

Kaubisch: Nehmen Sie sich jemand Unabhängigen als Berater zur Seite. Jemand, der Erfahrung mitbringt, mit Zahlen umgehen kann und mit Ihnen Termine wahrnimmt und bei wichtigen Gesprächen dabei ist. Überhaupt sollte man sich von außen von verschiedenen Seiten Informationen und Beratung einholen, ob das nun Anwälte, Steuerberater oder jemand von der Handwerkskammer ist.

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