Wer ein Unternehmen gründet, muss - in aller Regel - zunächst einmal Geld in sein Vorhaben investieren. Wie viel Sie investieren müssen, stellen Sie anhand einer Kapitalbedarfsplanung fest.
Ein Kapitalbedarfsplan gehört in jeden Businessplan, unabhängig davon, ob Sie Ihr Vorhaben allein aus Ihren Ersparnissen oder mit Hilfe von Darlehen finanzieren. Wer auf eine genaue Planung verzichtet, riskiert, dass am Ende das Geld nicht ausreicht. Auf die Schnelle muss dann eine Fremdfinanzierung gefunden werden. Für öffentliche Existenzgründungsdarlehen ist es dann aber schon zu spät. Sie können nur vor der Gründung beantragt werden.
Eine gründliche Kapitalbedarfsplanung gehört daher zum kleinen Einmaleins jeder Gründungsvorbereitung. Dabei sollten Sie folgende Größen genau ermitteln:
1. Kapitalbedarf vor der Gründung
2. Kapitalbedarf für die betriebliche Anlaufphase
3. Kapitalbedarf zur Sicherung des Lebensunterhaltes
4. Finanzierung des Kapitalbedarfs
5. Fremdfinanzierung des Kapitalbedarfs
Kapitalbedarf vor der Gründung
Beginnen Sie mit den Kosten, die während Ihrer Gründungsvorbereitung anfallen. Dazu zählen beispielsweise Beratungskosten, Notarkosten, Gebühren für Anmeldungen und Genehmigungen. Sprechen Sie mit Ihrem Gründungsberater und stellen Sie gemeinsam fest, welche Gründungskosten in welcher Höhe anfallen.
Kapitalbedarf für die betriebliche Anlaufphase
Wie viel Geld müssen Sie ausgeben, um Ihr Unternehmen startklar zu machen? Unterscheiden Sie in Anlagevermögen wie z.B. Lizenzen, Grundstücke, Gebäude, Maschinen, Fahrzeuge, Büroeinrichtung und Umlaufvermögen.
Letzteres bezeichnet die laufenden betrieblichen
Aufwändungen für Waren, Verwaltung, Vertrieb, Personal u.a., die Sie später durch Ihre Einnahmen decken. Da Sie in der Anlaufphase noch keinen bzw. einen geringen Umsatz haben, müssen Sie die Anlaufphase erst einmal vorfinanzieren. Kalkulieren Sie hier einen Zeitraum von vier bis sechs Monaten.
Ermitteln Sie zunächst die Höhe der notwendigen Investitionen und Anlaufkosten!
Wie viel Geld brauchen Sie langfristig? z. B. für Grundstück, Gebäude, Maschinen, Fahrzeuge usw.
Wie viel Geld brauchen Sie kurz- und mittelfristig? z. B. für die Einrichtung des ersten Material- und Warenlagers, für Außenstände und besondere Belastungen in der Gründungsphase
Planen Sie eine Reserve für Unvorhergesehenes ein!
Wie hoch sind die laufenden Kosten (Betriebsmittel)? Der Bedarf an Betriebsmitteln wird häufig unterschätzt. Wichtige Fragen sind hier in der Anfangsphase: Wann geht die erste Kundenzahlung ein? Wie groß muss also das erste finanzielle Polster sein?
Wie teuer ist die Gründung selbst?
Welche Kosten fallen eventuell schon in der Zeit vor dem Unternehmensstart an?
Wo können Sie sparen?
Büroeinrichtungen, Geräte, Anlagen, Maschinen kosten mitunter nur ein Viertel des Neuwerts, wenn sie gebraucht gekauft werden. Aber: Eine ärmlich wirkende Ausstattung kann auch Kunden "abschrecken".
Leasing von Fahrzeugen, Maschinen, Geräten kann den Gründungsetat spürbar entlasten. Aber: Leasing ist in der Regel teurer. Rechnen Sie in jedem Fall das Angebot durch!
Lohn- und Einrichtungskosten können in der Anlaufzeit gespart werden, indem Sie einen Teil der Arbeiten zunächst außer Haus oder von freien Mitarbeitern erledigen lassen.
Prüfen Sie, ob Sie nicht mit anderen Unternehmen, die die gleichen Produkte herstellen oder eine gleiche Handelsstufe haben, kooperieren können, um dadurch u. a. günstigere Einkaufskonditionen zu erhalten.
Animieren Sie Ihre Mitarbeiter zum umweltbewussten Umgang mit Energie und Rohstoffen.
Nutzen Sie das Angebot von Dienstleistungsunternehmen: z. B. Empfangs- und Sekretariatsservice, Car- oder Gerätesharing.
Kapitalbedarf zur Sicherung des Lebensunterhaltes
Wie viel müssen Sie mit Ihrer beruflichen Selbständigkeit verdienen, um davon leben zu können?
Dazu zählen alle monatlichen Ausgaben, die Sie für Ihren privaten Lebensunterhalt benötigen.
Kalkulieren Sie großzügig und berücksichtigen Sie auch unvorhergesehene Ereignisse wie Krankheit, Unfall, aber auch Reparaturen an Haus oder Auto.
Die Höhe Ihrer privaten Ausgaben ist die Grundlage für Ihr monatliches "Gehalt", das Sie als Unternehmer beziehen.
Haben Sie vor, ein Einzelunternehmen oder eine Personengesellschaft (z.B. GbR) zu gründen, wird dieses "Gehalt" übrigens Unternehmerlohn genannt.
Bei einer Kapitalgesellschaft würden Sie als angestellter Geschäftsführer ein Gehalt (Personalkosten) beziehen.
Finanzierung des Kapitalbedarfs
Wie viel Kapital erwirtschaftet Ihr Unternehmen zur Deckung der Kosten und wie viel Kapital müssen Sie zunächst zusätzlich in Ihr Unternehmen investieren? Um dies festzustellen
müssen Sie die Liquidität, also die Zahlungsfähigkeit Ihres Unternehmens ermitteln.
Vor der Gründung müssen Sie zunächst schätzen, wie hoch Ihre Zahlungseingänge in den ersten Monaten sein werden. Nach der Gründung erstellen Sie Ihren monatlichen
Liquiditätsplan anhand realer Zahlen.
Nur mit Hilfe Ihrer Liquiditätsplanung können Sie feststellen, wie viel Geld Sie einnehmen (werden), um alle Ihre anfallenden
Kosten einschließlich Ihres privaten Lebensunterhaltes zu finanzieren.
Sind Ihre Kosten höher als die Zahlungseingänge haben Sie eine Unterdeckung und müssen zusätzliches Kapital von außen, das heißt, entweder aus Ihren privaten Ersparnissen
oder über Fremdkapital "zuschießen".
Fremdfinanzierung des Kapitalbedarfs
Wenn Sie feststellen, dass Sie Ihr Vorhaben nicht allein aus eigenen finanziellen Mitteln, sondern auch mit Hilfe öffentlicher Förderdarlehen und/oder Bankkredite finanzieren
müssen, sollten Sie ermitteln, wie hoch die monatlichen Zinskosten und Tilgungsraten sein
werden.
Bei öffentlichen Förderdarlehen setzt die Tilgung in der Regel erst später ein. Die anfallenden Zinslasten und Tilgungen, müssen Sie in Ihrer Kapitalbedarfsplanung berücksichtigen. Denn auch hier handelt es sich um Kosten, die (ggf. mit Ausnahme der Tilgungsraten) vom ersten Tag nach dem Unternehmensstart anfallen.








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