Dabei bietet die Branche für fachlich geeignete Existenzgründer durchaus interessante Möglichkeiten. Es gibt mittlerweile zahlreiche Hotels, die keinen Nachfolger finden - trotz guter Lage. Um das leidige Finanzierungsproblem zu lösen rät Martina Fidlschuster daher sowohl Unternehmern als auch Nachfolgern, vermehrt die Pacht als Übernahmeoption in Betracht zu ziehen. Die Pacht ist liquiditätsschonend, der Betrieb wird erhalten, und der Gründer hat die Möglichkeit, Rücklagen zu schaffen, um die Immobilie zu einem späteren Zeitpunkt zu kaufen. Doch auch bei der Pacht geht es nicht ohne Eigenkapital. Je nach Objekt müssen nicht unerhebliche Pachtsicherheiten, bei etwas größeren Hotels durchaus von 100.000 Euro und mehr gestellt werden.
Standard: halten oder senken?
Natürlich birgt die Übernahme eines Hotels oder einer Pension auch Risiken. Martina Fidlschuster: Viele Objekte wurden seit Jahren nicht mehr renoviert. Der Standard wurde nicht den Marktanforderungen angepasst. Wenn ich beispielsweise ein Vier-Sterne-Hotel übernehme, das ich nur mit großem Kosten- und Personalaufwand auf diesem Niveau halten kann, ist es meist sinnvoller, den Betrieb einen oder zwei Sterne tiefer zu stufen. Das hat die Folge, dass das Serviceangebot zwar eingeschränkt wird, aber dafür die verbleibenden Leistungen zeitgemäß und qualitativ gut angeboten werden können.
Und wenn auch die Einrichtung Vier-Sterne-Standard hat, diese aber aus den achtziger Jahren stammt: Ersetzen Sie diese lieber durch günstigere Möbel, die eine frische und pfiffige Atmosphäre verbreiten. Erarbeiten Sie mit Profis ein Innenarchitektur-Konzept, selbst wenn Sie in den ersten Jahren nur die Wände neu streichen und die Teppiche erneuern können. Bleiben Sie konzepttreu, sonst wirkt jede Investition wie Stückwerk. Denn Design und Ambiente spielen heute bei den Gästen auch in Zwei-oder Drei-Sterne Hotels eine immer wichtigere Rolle. Ein ansprechender Stil schlägt sich stets in Gästeresonanz und Umsätzen positiv nieder
Konzession: alle Auflagen erfüllt?
Ein weiterer Fallstrick, der erhebliche finanzielle Folgen haben kann, ist die Konzessionsfähigkeit. Die Behörden haben insbesondere bei Brandschutz sowie Hygiene in Zusammenhang mit der Zubereitung von Speisen die Auflagen in den letzten Jahren verschärft. Die Gewerbeaufsicht hat hier bei bestehenden Betrieben nicht selten Kulanz gezeigt und bei der Umsetzung der Auflagen eine Frist von mehreren Jahren gewährt. Doch was ist, wenn der Eigentümer das Haus vor Ablauf der Frist übergibt, ohne dass es etwas geschehen ist? Dann kommen auf den Nachfolger erhebliche Kosten zu.
Denn wer einen Betrieb übernimmt, muss eine neue Konzession beantragen. Und in diesem Fall erwarten die Behörden die sofortige Umsetzung der Auflagen. Da können schnell 100.000 Euro zusammen kommen. Martina Fidlschuster rät daher: "Potenzielle Nachfolger sollten sich die Konzession vorlegen lassen und prüfen, ob diese mit Auflagen versehen ist. Ein Sondierungsgespräch mit dem Ordnungsamt sollte ebenfalls vor der Übernahme stattfinden sowie eine Hausbegehung mit der Brandschutzbehörde durchgeführt werden. Dass auch eine Begutachtung der Immobilie durch einen Bausachverständigen dazu gehört, ist selbstverständlich."
Personal: qualifiziert und leistungsbereit?
Eine Betriebsübernahme ist kein Kündigungsgrund. Nachfolger sollten sich daher sehr genau anschauen, wie es um die Qualifikation und Leistungsbereitschaft des Personals steht. Ist das Personal zusammen mit dem Alt-Eigentümer alt geworden, hat dies zwar den Vorteil, dass die Mitarbeiter über Berufserfahrung verfügen und ihr Metier beherrschen. Andererseits muss sichergestellt sein, dass auch Nachwuchs da ist, der in die neuen Aufgaben hineinwachsen kann.
Gründerperson: Rücklagen vorhanden?
Ein Großteil der Gründerinnen und Gründer in der Hotellerie ist um die 40 Jahre alt, hat mehrjährige Berufserfahrung und etwas "auf der hohen Kante". Dabei haben auch berufliche Quereinsteiger in den letzten Jahren gezeigt, dass fehlendes fachliches Know-how kein Hinderungsgrund sein muss. Diese Gründer haben nicht selten mit innovativen Konzepten den Markt erobert, weiß Martina Fidlschuster. Aufgrund der, wie schon erwähnt, hohen Investitionskosten bei Hotels sind dies nicht selten Immobilienprofis wie Bauträger, Architekten, oder Innenarchitekten. Doch auch manch erfahrener Hotelmanager, der über jahrelange Praxis in großen Hotelketten verfügt, hat schon den Schritt in die Selbständigkeit gewagt.
Businessplan: fundiert und nachvollziehbar?
Ohne Businessplan geht es aber auf keinen Fall: Leider machen wir die Erfahrung, dass eine Reihe von Gründern, insbesondere bei kleineren Objekten wie Pensionen oder bei Betriebsnachfolge keinen sorgfältigen Businessplan ausarbeitet und den Markt nicht einschätzen kann. Sie kennen weder Angebote der Wettbewerber noch das Reiseverhalten ihrer potenziellen Kunden oder aktuelle Markttrends. Sie gründen oder übernehmen im Vertrauen darauf, dass ein Hotel am richtigen Standort seinen Markt immer findet.
Dabei sollten sie sich über alle Eventualitäten der Gründung vorab Gedanken machen: Wie könnte die Finanzierung aussehen? Welche Zielgruppe möchten sie bedienen: Geschäftsleute, Urlauber, Städtereisende, Luxussuchende, Schnäppchenjäger? Welchen Service wollen sie anbieten? Welche Größenordnung soll das Objekt haben? Usw.
Ist das richtige Objekt erst einmal gefunden, sollte man sich für die Erstellung des Businessplans mindestens einen Monat Zeit lassen. Das bedeutet aber, so Martina Fidlschuster, dass der Gründer in diesem Monat täglich daran arbeiten muss und dabei vor allem auch externen Sachverstand mit einbezieht. Geeignete Ansprechpartner sind die Landesverbände des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA) und der Hotelverband Deutschland. Zu konzeptionellen Fragen wie Standortfindung, Umbau oder Marketing sollten spezialisierte Unternehmensberater hinzugezogen werden.
Mit einem sorgfältig erstellten Businessplan, der mit realistischen und nachvollziehbaren Zahlen arbeitet, lässt sich übrigens auch der ein oder andere Banker von der Qualität des Vorhabens überzeugen - trotz schlechten Branchenratings.








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