Viele Gründerinnen und Gründer meinen, ein gutes Produkt verkaufe sich ganz von selbst. Dem ist leider nicht so. Spätestens bei der Produkt- bzw. Leistungsbeschreibung
im Businessplan müssen sich die Gründerinnen und Gründer von ihrer meist an Technologie orientierten Perspektive lösen und lernen, sich in die Bedürfnisse des Kunden hineinzuversetzen und ihr Angebot und dessen Nutzen aus Sicht der Kunden zu beschreiben.
Antworten auf folgende Fragen stehen dabei im Mittelpunkt: In welchem Markt wollen wir erfolgreich sein? Wie sieht die Zielgruppe genau aus?
Beispiel: Wollen wir unser Produkt nur einigen wenigen anderen Instituten verkaufen? Möchten wir ausgewählte Pharmafirmen dafür interessieren? Oder soll es in jeder Apotheke erhältlich sein? Wie kann der Kunde unser Produkt anwenden? Wenn ein ähnliches Produkt schon auf dem Markt ist: Was ist an dem neuen Produkt besser? Wie sieht das Kosten-Nutzen-Verhältnis aus?
Über viele dieser Fragen machen sich Gründer oft zu wenig Gedanken. Sie machen aber letztlich - nach der Erfahrung der Verantwortlichen des Start-Up-Wettbewerbs - den Erfolg des Gründungsvorhabens aus.
Entscheidend: das Gründungsteam
Die Geschäftsidee wird meist überbewertet. Dabei macht nicht die Idee den Hauptwert eines StartUps aus, sondern die Gründerinnen und Gründer. Denn die Erfolgschancen hängen maßgeblich von einer ausgewogenen Zusammensetzung des Gründungsteams ab.
Das heißt: Neben den Fachspezialisten müssen ein bis zwei kaufmännische sowie vertriebserfahrene Gründungsmitglieder mit "im Boot sein", die bereits unternehmerische Führungserfahrung mitbringen.
Alternative zu Beteiligungskapital: Eigenfinanzierung
Wie bei jeder Existenzgründung muss auch der Businessplan im Bereich Hightech und Lifescience eine Dreijahresplanung enthalten, die - einfach gesagt - darstellt, wofür Geld ausgegeben wird und wo es herkommt. Auf Grund der hohen Investitionssummen und mangelnden dinglichen Sicherheiten wird die Gründungsfinanzierung in diesen Bereichen in der Regel über Beteiligungskapital auf die Beine gestellt. Diese oft genannte Alternative zum Bankkredit steht allerdings angesichts der Zurückhaltung auf den Finanzmärkten immer weniger Start-Up-Unternehmen zur Verfügung.
Insofern muss über alternative Finanzierungsstrategien nachgedacht werden. Eine davon ist die Finanzierung über Eigenkapital. Dies ist möglich, wenn sich die Gründer in einer ersten Phase auf Serviceleistungen konzentrieren und darüber das notwendige Eigenkapital für die Produktentwicklung erwirtschaften.
Dazu zwei Beispiele:
Bevor das eigentliche Produkt, z.B. eine spezielle Software, entwickelt werden kann, bieten die Softwareentwickler eines jungen Unternehmens einen Vor-Ort-Service beim Kunden an, um gewünschte Funktionen zu programmieren.
Ein Lifescience-Unternehmen, dessen Ziel es ist, ein eigenes Analyseverfahren zu entwickeln, bietet zunächst seine eigenen hausinternen Analysekapazitäten für externe Auftraggeber an.
Selbstverständlich braucht eine solche Serviceorientierung mehr Zeit als ein produktorientiertes Unternehmen. Doch letztlich ist es leichter zu finanzieren und - ein ganz wichtiger Punkt - es ist unabhängig(er) von externen Geldgebern.
Gründerinnen und Gründer sollten über beide Finanzierungswege nachdenken: Ist keine Venture-Capital-Gesellschaft bereit, die Finanzierung zu übernehmen, sollte man eine solche Serviceausrichtung in Erwägung ziehen.
Oft überschätzt: Patentierung
Je nach Branche spielt das Thema Schutzrechte eine Rolle oder auch nicht. Vielfach wird es überschätzt. Im Softwarebereich nützen Patente zum Beispiel wenig. Die Entwicklung schreitet hier viel zu schnell voran, als dass ein doch recht langwieriges Patentierungsverfahren hier greifen würde. Wichtiger ist es, immer die Nase vorn zu haben, neue Ideen zu entwickeln.
Im Lifescience-Bereich ist es umgekehrt: Erfindungen und Entdeckungen, denen meist lange Entwicklungs- oder Forschungszeiten zugrunde liegen, leben von Patenten. Hier sollten bereits in der Businessplan-Phase Basispatente vorliegen. Im Hightech-, Elektronik- und Halbleiter-Sektor können Patente zum Teil einfach umgangen werden. Gründer sollten daher nur dann ein Patentierungsverfahren beantragen, wenn sie sicher
sein können, dass es nicht umgangen werden kann.
Autor: Dr. Lothar Stein, McKinsey & Company und Mitinitiator des StartUp-Wettbewerbs. (Anm. der Redaktion: Der StartUp Wettbewerb wurde zum 31.12.2006 eingestellt.)








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