
Prof. Dr. Reifner,
Direktor des Instituts für Finanzdienstleistungen e. V. (IFF).
Frage:
Was raten Sie Unternehmern im Umgang mit ihrer Hausbank, wenn sich finanzielle Probleme anbahnen?
Antwort:
Zunächst einmal Offenheit. Den Kopf in den Sand zu stecken verschlimmert die Situation nur. Dann, wenn Schwierigkeiten auftauchen: Beratung suchen, z. B bei den Runden Tischen der Deutschen Ausgleichsbank. Die Industrie- und Handelskammern oder Handwerkskammern sind hier die richtigen Ansprechpartner. Sie stellen den Kontakt zu erfahrenen Unternehmensberatern her. Aufgabe des Unternehmers ist es, die Lage des Unternehmens umfassend darzustellen. Dazu sollte er Unterlagen vorgelegen, die klare Aussagen über Liquidität, Auftragslage, Finanzierung usw. ermöglichen.
Ganz wichtig ist, die Bank frühzeitig zu informieren. Und sachlich zu bleiben. Eine Bank muss, wie jeder Betrieb, unternehmerisch handeln. Emotionen spielen da keine Rolle. Oft ist es auch gar nicht der Sachbearbeiter, der hier entscheidet, sondern eine ganz andere Abteilung, die den Unternehmer gar nicht persönlich kennt. Also wichtig ist, sachlich zu bleiben und zu versuchen, auch den Blickwinkel der Bank einzunehmen. Das ist nicht einfach, denn der Druck der auf manchen Unternehmern lastet ist groß: Wenn z. B Familienangehörige private Bürgschaften zur Verfügung gestellt haben. Oder wenn das Wohnhaus der Familie als Sicherheit gegenüber der Bank eingebracht wurde. Sinnvoll ist es da, einen vertrauten Steuerberater, Rechtsanwalt oder befreundeten und erfahrenen Unternehmer in die Gespräche mit einzuschalten.
Frage:
Inwieweit unterscheiden sich mittelständische von kleineren Unternehmen beim Umgang mit Banken?
Antwort:
Kleinunternehmen müssen anders vorgehen als mittelständische Unternehmen: Kleinunternehmen haben in der Regel nur ein Konto bei einer Bank. Da jede Bank ihre Konten regelmäßig im Auge hat, wird ihr schnell auffallen, wenn Kontoumsätze zurückgehen, ganz ausbleiben oder die Kreditlinie eines Kontos schon seit geraumer Zeit ausgeschöpft oder das Konto immer wieder überzogen wird. Es liegt nahe, dass die Bank davon ausgehen muss, dass sich hier etwas anbahnt. Das ist aber nicht zwangsläufig so. Vielleicht muss ein Großauftrag vorfinanziert werden. Vielleicht ist das Tief saisonbedingt und die Aufträge oder die Zahlungseingänge stehen vor der Tür. Davon weiß die Bank aber oftmals nichts. Deshalb muss man gerade als Kleinunternehmer die Gründe erklären und gegebenenfalls die Kontoüberziehung beantragen, und zwar frühzeitig, bevor die Bank auf den Kleinunternehmer zukommt. Denn das tut sie in jedem Fall.
Bei größeren Betrieben ist es schwieriger "auf einen Blick" die Liquiditätslage festzustellen. Hier sind oft umfangreichere Verhandlungen mit der Bank notwendig.
Frage:
Wenn unerwartet die Bank ihre Kredite fällig stellt, geraten Unternehmer zweifellos in Schwierigkeiten. Welche Lösungen gibt es hier?
Antwort:
Wenn z.B. keine Überweisungen mehr an den Stromversorger, das Finanzamt oder die Sozialversicherung ausgeführt werden, wird es brenzlig. Das Finanzamt kann beispielsweise sofort pfänden. Gegenüber wichtigen Gläubigern muss die Liquidität daher immer aufrecht erhalten bleiben. Führt die Bank keine Überweisungen mehr aus, müssen die Forderungen auch bankenunabhängig beglichen werden können, also z. B über das Konto einer anderen Bank oder durch eine Bareinzahlung.
Mit Lieferanten kann z.B. eine Ratenzahlung oder Stundung vereinbart werden. Man kann dann, wenn die Zahlungsunfähigkeit ohnehin offenkundig ist, in einem Brief an Lieferanten, Kunden, Mieter und andere kleinere Gläubiger, von deren Wohlwollen das Unternehmen abhängt, deutlich machen, dass deren Ansprüche nur dann eine Chance haben, wenn es gelingt, mit der Bank zu einer Einigung zu kommen. Wer sich in der Insolvenz verzettelt und gegen alle Gläubiger wendet, hat kaum noch eine Chance.
Wenn diese Gläubiger mitspielen, ist dies auch ein wichtiges Signal für die Banken. Aber auch hier gilt wiederum: sachlich bleiben und nicht emotional reagieren. Ansonsten heißt es bei der Bank "Mit dem kann man ja sowieso nicht reden.". Dieser Eindruck darf nicht entstehen.
Frage:
Krisenvermeidung kann auch beinhalten, die richtige Bank zu finden. Wie sollten Unternehmer hier vorgehen?
Antwort:
Es kommt auf die Kompetenz und die Risikobereitschaft der Bank und insbesondere der des Sachbearbeiters an, mit dem man zu tun hat. Wir haben in einem bundesweiten Bankentest festgestellt, dass bankeneigene Existenzgründungszentren vergleichsweise viel Sachverstand und Unterstützung bieten. Außerdem muss die "Chemie" zwischen dem Sachbearbeiter und Unternehmer stimmen. Schließlich geht es hier um eine langfristige Geschäftsbeziehung, bei der sich beide Parteien aufeinander verlassen müssen.
Frage:
Falsche Bank heißt auch: Falsche Ratschläge
Antwort:
Leider beobachten wir immer wieder, dass falsch beraten wird. Da werden z. B. öffentliche Förderprogramme für mehr Kredit missbraucht, als man am Anfang benötigt, weil die Bank darin eine willkommene Absicherung ihrer zusätzlichen Bankkredite sieht. Besser ist: Mit wenig anfangen und langsam aufbauen. Wer zu hohe Kredite aufnimmt, gerät ganz leicht in die Krise. Ein Unternehmer muss daher unabhängig von der Bank seinen Finanzierungsbedarf feststellen und seine Kreditaufnahme bedarfsgerecht gestalten. Als Faustregel gilt: Investitionen mit langlaufenden Krediten finanzieren. Tägliche Ausgaben über Kontokorrent finanzieren. Wird hier die Kreditlinie von der Bank kurzfristig zurückgefahren, ist dies in der Regel noch zu verkraften.
Nicht unproblematisch sind Kombinationsfinanzierungen, die sind meist zu teuer, vor allem wenn es zur vorzeitigen Kündigung kommt. Das gilt vor allem auch für den Abschluss von Kapitallebensversicherungen oder Bausparverträgen, die unsinnigerweise von den Banken als Sicherheiten empfohlen werden. Vorsicht bei manchen Unternehmensberatern, die einem manchmal aus unklaren Gründen von Bankmitarbeitern empfohlen wurden. Die brauchen nicht qualifiziert zu sein und hängen von der Bank ab, wenn sie nur über deren Empfehlungen Kunden erhält. Der Unternehmer muss seinen Berater selbst aussuchen. Hier helfen auch die Kammern, aber auch der Rundruf bei anderen Unternehmen.
Man sollte immer daran denken, dass Banken zwar kompetent bei Finanzierungsfragen sind; Ihre Aufgabe ist nicht, das Unternehmen ihres Kunden zu führen. Man sollte daher kritisch sein, wenn die Bank unternehmerische Empfehlungen gibt, wie etwa das Unternehmen auszubauen, aufzustocken, zu diversifizieren etc. Dem Ratschlag, mit dem Vorhaben zu beginnen, wenn die Finanzierung noch nicht steht, sollte kein Unternehmer folgen, auch wenn die Bank einen Überbrückungskredit anbietet. So etwas ist meist teuer, unsicher und bringt die Kalkulation durcheinander. Also: Erst anfangen, wenn die Mittel auch tatsächlich da sind. Im Übrigen haften Banken auch für Falschberatungen gerade dann, wenn sie sich in das Unternehmen einmischen, komplexe unangepasste Produkte ohne Aufklärung ihrer Risiken verkaufen und ohne Rücksichtnahme folgenreiche Kreditentscheidungen treffen. Solche Ansprüche durchzusetzen ist jedoch meist langwierig und gerade für ein kleines Unternehmen zu kostspielig. Es fehlen hierfür kompetente Anwälte, meist auch Beweismittel und immer wieder das Geld, das gerade nach der Insolvenz nicht mehr vorhanden ist.
Wer schon bei der Wahl einer geeigneten Bank vorsorgt, sich ausreichend Zeit lässt und sich möglichst umfassend auch bei anderen Unternehmern informiert sowie die Verhandlungen unter Zeugen führt und sich wichtige Zusagen schriftlich bestätigen lässt, der kann die Krise auch leichter durchstehen.
Frage:
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