Richard-Andreas Domschke

Richard-Andreas Domschke
Geschäftsführer der Creditreform Bonn Domschke KG

Frage:

Sie erhalten hier in Bonn ca. vier bis fünf Anrufe von Interessenten pro Tag. Wer ruft Sie an? Und warum?

Antwort:

Die Anrufer sind Interessenten aus Unternehmen, die Probleme mit Ihren Außenständen haben oder schon bei Annahme eines Auftrags die Bonität des Auftraggebers prüfen lassen wollen. Viele sind erst aus Schaden klug geworden, d.h. sie haben schon Forderungen verloren. Jetzt möchten sie sich über die Arbeit von Creditreform informieren. Wir merken: Die stetig steigenden Insolvenzzahlen und die geänderte Kreditvergabe der Banken sorgen dafür, dass die Unternehmensliquidität in den Mittelpunkt der betriebswirtschaftlichen Überlegungen rückt.

Frage:

Was genau tun Sie, wenn Sie ein Unternehmen engagiert?

Antwort:

Zunächst findet ein Beratungsgespräch statt. Unsere ersten Fragen sind: Wie ist die Debitorenbuchhaltung organisiert? Welche Zahlungsziele werden eingeräumt? Wie werden die Zahlungsziele überwacht? Stehen unerledigte Reklamationen aus? Bei kleineren und mittleren Firmen werden oft Schwachstellen aufgedeckt. Beispielsweise stimmt die Firmierung des Rechnungsempfängers nicht, so dass ein Mahnbescheid gar nicht zugestellt werden könnte. Oder der Kunde kennt nur den Namen des Gewerbes, aber nicht den des Inhabers, gegen den die Forderung geltend gemacht werden muss. Und ganz wichtig natürlich: Wir prüfen die Bonität des Schuldners, damit nicht in völlig aussichtslosen Fällen "gutes Geld dem schlechten" hinterher geworfen wird. Unsere Berater stimmen dann mit dem Kunden ab, wo und in welchem Umfang er unsere Dienstleistungen in Anspruch nehmen will.

Frage:

Und wie ist das weitere Vorgehen?

Antwort:

Zunächst wird der Schuldner von uns schriftlich gemahnt und erfährt dadurch, dass jetzt wir die Forderung bearbeiten. Er bekommt Gelegenheit zu reagieren. Er kann entweder direkt bezahlen, oder er kann sich mit uns über die Zahlungsmodalitäten einigen. Meldet er sich nicht, werden wir von uns aus aktiv und rufen bei ihm an. Kommt es zu keiner Einigung, hängen alle weiteren Maßnahmen von seiner parallel ermittelten Finanzsituation und den Vereinbarungen mit unserem Auftraggeber, also dem Gläubiger, ab. Zusammengefasst kann man sagen: Unser Vorgehen beruht auf einer Mischung aus Information, Psychologie und Beharrlichkeit. Die Schuldner werden von uns hartnäckig auf die geschuldete Leistung und die negativen Konsequenzen bei Nichtbezahlung hingewiesen. Wir sagen ganz klar, dass uns Ausreden wie "Der Scheck liegt schon beim Chef" oder "Ich warte auf einen Zahlungseingang, dann zahle ich sofort" hinreichend bekannt sind. Wichtig ist, dass beim Schuldner die Nachricht "Die Geduld des Gläubigers ist erschöpft. Sie erhalten jetzt eine letzte Chance, die Forderung außergerichtlich zu zahlen" ankommt.

Frage:

Und damit haben Sie Erfolg?

Antwort:

Oft, aber nicht immer. Einige Schuldner gehören nicht zu den "Zahlungswilligen". Entweder, weil Sie nicht können, oder, weil Sie nicht wollen. In solchen Fällen sehen wir uns als Berater unserer Kunden: Macht es Sinn, die Forderung gerichtlich beizutreiben? Oder sprechen die finanzielle Situation des Schuldners bzw. die Höhe der Forderung dagegen? Letztes Wort hat aber in jedem Fall der Auftraggeber. Er entscheidet, ob es vor Gericht geht oder nicht. Fällt die Entscheidung dafür, bereiten wir für den Anwalt alle Daten so auf, dass bei der Zustellung eines gerichtlichen Mahnbescheides oder einer Klage keine Verzögerungen auftreten. Grundlage dabei ist: Das gerichtliche Mahnverfahren ist die letzte Lösung, da es immer langwierig und kostenintensiv ist.

Frage:

Was würden Sie Existenzgründern empfehlen?

Antwort:

Wenn Sie eine gewisse Zeit auf Ihr Geld warten, dann nämlich, wenn Sie einem Lieferanten einen Kredit geben, müssen Sie sowohl an Ihren Absatz als auch an Ihre Finanzlage und Ihre Sicherheit denken. Für Existenzgründer ist das besonders wichtig. Auch wenn die ersten Aufträge verlockend sind, haben sie noch nicht die Finanzkraft, eventuelle Ausfälle aufzufangen. Umso wichtiger ist es, sich frühzeitig abzusichern: durch einen Bonitätsprüfung oder eine Kreditversicherung. Aber auch bestehende Kundenverhältnisse sollten sie immer wieder neu auf ihre Zahlungsfähigkeit hin prüfen und bewerten.