Arbeitnehmer mit Behinderung

Etwa drei Millionen Deutsche mit Behinderungen sind im erwerbsfähigen Alter. Die meisten von ihnen sind gut ausgebildet und hoch motiviert.

Viele Unternehmen stellen nicht zuletzt aus diesem Grund Menschen mit Behinderungen ein. Unternehmen mit mindestens 20 Beschäftigten sind ohnehin gesetzlich verpflichtet, mindestens fünf Prozent ihrer Arbeitsplätze für schwerbehinderte Menschen zur Verfügung zu stellen. Arbeitgeber, die dieser Vorgabe nicht nachkommen, müssen eine Ausgleichsabgabe zahlen.

Arbeitgeber unterstellen Menschen mit körperlicher oder psychischer Beeinträchtigung häufig eine verminderte Leistungsfähigkeit. Zu Unrecht: Entscheidend für die Leistungsfähigkeit jedes Arbeitnehmers – ob behindert oder nicht – ist, ob sein Arbeitsplatz zu ihm passt oder nicht. Auf den Arbeitgeber kommen dadurch womöglich Umbaumaßnahmen zu. Das bringt zwar zunächst einen gewissen Aufwand mit sich. Allerdings können barrierefreie Gebäude oder Kennzeichnungen in Braille-Schrift auch den Zugang für weitere Kunden erweitern.

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Was ist eine Behinderung?

Die weitaus meisten Behinderungen (96 Prozent) treten erst im Laufe eines Lebens auf. Nur etwa vier Prozent sind angeboren. Stattdessen führen vor allem Krankheiten zu Behinderungen – in mehr als 80 Prozent der Fälle. Die am häufigsten vorkommende Behinderung ist eine Funktionsstörung der inneren Organe. Erst an zweiter und dritter Stelle folgen Funktionseinschränkungen von Gliedmaßen und der Wirbelsäule bzw. des Rumpfes.

Behinderungsgrade

Es werden verschiedene Grade der Behinderung unterschieden. Diese sollen die körperlichen, geistigen, seelischen und sozialen Auswirkungen der Funktionsbeeinträchtigungen messen. Der Grad der Behinderung muss durch ärztliche Gutachter festgestellt werden, damit die betreffenden Personen bestimmte Rechte geltend machen können und um bestimmte Teilhabeleistungen und Nachteilsausgleiche zu erhalten. Die Einstufung nehmen die Landkreise und kreisfreie Städte vor.

Die Ausprägung einer Behinderung wird in Zehnerschritten abgestuft. Diese Schritte reichen von 20 bis 100. Ein Grad der Behinderung wird dabei immer unabhängig vom ausgeübten Beruf festgestellt. Dieser Grad sagt daher nichts darüber aus, wie leistungsfähig ein Mensch mit Behinderung in Bezug auf einen konkreten Arbeitsplatz ist. Aus arbeitsrechtlicher Sicht werden Menschen mit Behinderung in folgende Gruppen unterschieden:

  • Behinderte oder von Behinderung bedrohte Menschen: Zu dieser Gruppe zählen Menschen mit einem Grad der Behinderung von mindestens 20 bis unter 50 sowie Personen, bei denen eine Beeinträchtigung zu erwarten ist.
  • Menschen mit einer Schwerbehinderung: Ab einem Grad der Behinderung von mindestens 50 gelten Menschen als schwerbehindert.
  • Gleichgestellte Personen: Behinderte Menschen mit einem Grad der Behinderung von weniger als 50, aber mindestens 30, sollen schwerbehinderten Menschen gleichgestellt werden, wenn sie infolge ihrer Behinderung ohne die Gleichstellung einen geeigneten Arbeitsplatz nicht erlangen oder nicht behalten können. Die Gleichstellung wird auf Antrag durch die zuständige Agentur für Arbeit festgestellt. Gleichgestellte behinderte Menschen sind nicht schwerbehindert.
  • Behinderte Jugendliche und junge Erwachsene: Sie können für die Zeit der Berufsausbildung in einem vereinfachten Verfahren durch die Agentur für Arbeit gleichgestellt werden.

Für alle oben genannten Personenkreise können Arbeitgeber Hilfe und Förderung erhalten.

In Zusammenarbeit mit Patricia Leister, Inklusionsberaterin der IHK Chemnitz