Ideen entwickeln

Um Prozesse zu verbessern, neue Produkte zu entwickeln und neue Märkte zu erschließen, braucht es gute Ideen.

Anknüpfungspunkt dafür können auch gesellschaftliche Trends wie die alternde Gesellschaft, die zunehmende Vereinzelung oder die digitale Vernetzung sein, die viele gesellschaftliche Herausforderungen mit sich bringen.

Kreativitätstechniken

Ideen kann man für sich im Unternehmen oder auch in der Zusammenarbeit mit Innovations-Partnern entwickeln. Hilfreich dabei sind Kreativitätstechniken. Sie können dabei helfen, den Ideenfluss zu beschleunigen, Denkblockaden zu überwinden oder eine neue Suchrichtung für eine Problemlösung einzuschlagen.

Welche die jeweils richtige Kreativitätstechnik ist, hängt von der Aufgaben- oder Problemstellung ab, außerdem von der Teilnehmerzahl einer Arbeitsgruppe, der verfügbaren Zeit usw. Im Folgenden einige Technik-Beispiele.

Für jede Kreativitätstechnik ist wichtig...

Unabhängig davon, welche Kreativitätstechnik man nutzen möchte: Sie kann nur dann funktionieren, wenn man für die passenden Arbeitsbedingungen sorgt. Dazu gehört vor allem, „Kreativitätskillern“ keine Chance zu geben.

  • Achten Sie darauf, dass genügend Zeit zur Verfügung steht und kein Zeitdruck aufkommt.
  • Formulieren Sie genau die Frage- oder Problemstellung.
  • Legen Sie die Vorgehensregeln fest.
  • Organisieren Sie eine Ergebnissicherung. Bestimmen Sie ggf. einen Protokollanten.
  • Sorgen Sie dafür, dass Ideen erst nach der Ideensammlung bewertet werden (z.B. durch eine Pro-und-Contra-Diskussion zu einzelnen Ideen, Klärung der Frage: Welche Idee kann am leichtesten realisiert werden?).
  • Vereinbaren Sie Regeln für die Kommunikation. So sind „Killerphrasen“ wie z.B. „Das geht nicht“, „Alter Hut“, „Zu kompliziert“, „Zu teuer“ verboten.

Themen

Ideen aus verschiedenen Perspektiven prüfen: 6-Hüte-Methode, Walt-Disney-Methode

Wer Ideen aus verschiedenen Perspektiven prüfen will, kann dafür die 6-Hüte-Methode, die Identifikationsmethode oder auch die Walt-Disney-Methode nutzen.

6-Hüte-Methode

Ziel
Mit Hilfe dieser Methode kann ein Problemthema aus 6 verschiedenen Perspektiven betrachtet und diskutiert und eine ausgewogene Problemlösung erarbeitet werden.

Problemstellung (Beispiele)

  • Mit unserer Firma ein eigenes Modelabel auf den Markt bringen: Ist das zu schaffen?
  • Ein Theater ohne Förderung durch die Stadtverwaltung betreiben: Ist das sinnvoll?

Zeit
30-45 Minuten

Umsetzung
Den Teilnehmern werden sechs symbolische Hüte angeboten. Jeder dieser Hüte steht für eine bestimmte Denkrichtung. Die Teilnehmer setzen diese Hüte auf, übernehmen die damit verbundene Sichtweise auf die Problemstellung und eine damit verknüpfte Aufgabe. So steuern sie verschiedene Standpunkte zur Problemlösung bei. Nach einer festgelegten Zeit sollten die Teilnehmer die Hüte wechseln.

Der weiße Hut: Objektivität und Neutralität
Seinem Träger geht es nur um Fakten und Zahlen. Er sammelt Informationen zum Problemthema, hat keine persönliche Meinung dazu, zeigt keine Emotionen und fällt kein Urteil.

Der rote Hut: persönliches Empfinden und subjektive Meinung
Sein Träger ist der Gefühlsbetonte. Er äußert alles, was er rund um das Problemthema fühlt und ihm durch den Kopf geht, sowohl die positiven als auch die negativen Gefühle und Gedanken.

Der schwarze Hut: negative sachliche Argumente
Sein Träger ist der Pessimist, der Bremser, Zweifler und Bedenkenträger. Er weist auf kühle und sachliche Art und Weise auf Fehler und Hindernisse beim Umgang mit dem Problemthema hin.

Der gelbe Hut: positive sachliche Argumente
Sein Träger ist der Optimist, der Begeisterungsfähige, der Antreiber. Er zeigt auf kühle und sachliche Art und Weise die Chancen einer Idee auf, alle Aspekte, die für die Entscheidung sprechen.

Der grüne Hut: neue Ideen
Sein Träger steht für Kreativität. Er wagt es, über den Tellerrand hinauszublicken. Er soll von den vorgezeichneten Denk-und Argumentationswegen abweichen und versuchen, ganz neue Ideen und Problemlösungen in die Auseinandersetzung einzubringen, ganz egal, wie verrückt oder unrealistisch die Ideen oder Lösungsansätze sind. Dabei sollen seine Alternativvorschläge nicht mit kritischen Bemerkungen an anderen Positionen einhergehen (das ist Sache des schwarzen Huts).

Der blaue Hut: Dirigent
Sein Träger ist Moderator der Gruppe. Er blickt von einer höheren Ebene auf die Auseinandersetzung in der Gruppe, behält den Überblick, führt die einzelnen Beiträge zu realisierbaren Ergebnissen und Problemlösungen zusammen. Gibt es bereits einen festen Moderator, entfällt diese Rolle.

Praxistipp
Die 6-Hüte-Methode führt dazu, dass bei der Diskussion um ein Problemthema viele Perspektiven berücksichtigt werden. Sie vermeidet so Einseitigkeit und blinde Flecken. Die Hüte sorgen außerdem dafür, dass die Teilnehmer – durch eine Rolle geschützt – darüber Hemmungen verlieren und ihre Beiträge bereitwillig äußern. Das Rollenspiel verhindert zudem Konflikte, da die Teilnehmer nicht ihre eigene Sichtweise vertreten. Falls Hüte zu aufwändig sind, können alternativ auch farbige Armbinden verwendet oder für die jeweiligen Rollen bestimmte Plätze im Klassenraum festgelegt werden.

Walt-Disney-Methode

Ziel
Die Walt-Disney-Methode kann dazu benutzt werden, zu überprüfen, ob eine Geschäftsidee gut ist oder nicht.

Zeit
30 Minuten

Umsetzung
Die Teilnehmer sollen dabei die Rollen des Träumers, des Realisten und des Kritikers einnehmen und die betreffende Idee aus den jeweiligen Blickwinkeln betrachten und bearbeiten. Leider werden diese Rollen normalerweise oft vermischt. Beim Träumen wird häufig bereits an die Umsetzbarkeit gedacht, und beim Planen denkt man an die viele Arbeit und an die Kritik anderer. Wunschergebnis: eine möglichst kreative Idee, die dennoch den Einwänden der Realisten und Kritiker standhält.

Praxistipp
Die Walt-Disney-Methode eignet sich sowohl für eine einzelne Person als auch für eine Gruppe. Sie ist der 6-Hüte-Methode sehr ähnlich, aber weniger zeitaufwändig.

Arbeitsaufträge für Träumer
Egal, wie man das realisiert, ob es realistisch ist, ob es machbar ist: Schreiben Sie alle Ideen auf. Verrückte, völlig unlogische und ungewöhnliche Einfälle und Verbindungen sind besonders hilfreich. Sie sind die wesentliche Grundlage der kreativen Ideenfindung. Einschränkungen sind in dieser Phase nicht erlaubt, also auch keine Kritik oder Einwände.

  • Was wäre schön?
  • Was fällt mir dazu ein?
  • Was wäre die ideale Situation?
  • Was ist mein Traum dazu?
  • Was fällt mir Verrücktes und Ausgefallenes dazu ein?

Arbeitsaufträge für Realisten
Erarbeiten Sie einen Plan zur Umsetzung, notieren Sie alle Maßnahmen, die notwendig sind, um das Ziel zu erreichen. Schreiben Sie auf, über welche Mittel und Möglichkeiten Sie bereits verfügen und welche noch benötigt werden. Welche Menschen, Teams, Abteilungen oder Unternehmen könnten dabei helfen? Welche Ressourcen und Qualifikationen benötigen Sie?

  • Was wird für die Umsetzung benötigt (Material, Menschen, Wissen, Techniken etc.)?
  • Wie kann realisiert werden, was der Träumer sich ausgedacht hat?
  • Was muss getan oder gesagt werden?
  • Was fühlt man bei dieser Idee?
  • Welche Grundlagen sind schon vorhanden?
  • Kann der Ansatz getestet werden?

Arbeitsaufträge für den Kritiker
Seien Sie sehr kritisch und nicht nett. Schreiben Sie alle Kritikpunkte zu dem Plan auf, den Sie als Realist gemacht haben.

  • Kann das realisiert werden?
  • Was halte ich für möglich?
  • Was kann gar nicht funktionieren?
  • Was ist einfach nur Träumerei?
  • Was könnte verbessert werden? Welches sind Chancen und Risiken?
  • Was wurde übersehen?
  • Wie denke ich über den Vorschlag?

Dann kommt wieder die Traum-Rolle an die Reihe
Erarbeiten Sie aus den bisherigen Ergebnissen des Realisten und des Kritikers etwas noch Großartigeres. Nehmen Sie sich die Kritik Punkt für Punkt vor und erweitern Sie das Ziel, bis sich die Kritik auflöst. An der Stelle bitte nicht die Idee reduzieren, sondern erweitern, bis dem Kritiker nichts mehr einfällt. Das Ergebnis schreiben Sie genau auf.