„EXIST-Forschungstransfer hat uns bei der Business- und Finanzplanung sehr geholfen.“

Datum
15.02.2016

Dr. Ulrich Krackhardt, Extoll GmbH

Wenn es darum geht, hunderte oder tausende Computer, die alle an einer Aufgabe arbeiten, miteinander zu vernetzen, kommt es vor allem auf Schnelligkeit an. Dabei spielen die Gründer der Extoll GmbH, Dr. Ulrich Krackhardt, Dr. Mondrian Nüssle und Prof. Dr. Ulich Brüning, ganz vorne mit.

Dr. Ulrich Krackhardt lächeln in Kamera © Dr. Ulrich Krackhardt, Extoll GmbH

Herr Dr. Krackhardt, Sie entwickeln Netzwerktechnologien für Hochleistungs-Computing. Könnten Sie einem Laien erklären, worum es dabei geht?

Dr. Krackhardt: Wir sprechen hier von Hochleistungsrechnern, die in der Industrie oder der Forschung eingesetzt werden, zum Beispiel in der Wetter- und Klimaforschung oder beim Cloud-Computing. Hinter dem sogenannten Hochleistungs-Computing steht immer ein Verbund aus vielen einzelnen Rechnern. Das können bis zu mehreren Tausend sein, die in großen Hallen stehen und miteinander vernetzt sind. Das Problem dabei ist, dass die Rechner untereinander kommunizieren müssen. Und genau da setzen wir mit unserer Verbindungs- bzw. Netzwerktechnologie an: Wir haben einen Chip entwickelt, mit dem es möglich ist, die Leistungsfähigkeit der Verbindung deutlich zu steigern und die Wartezeit zu reduzieren.

Wie sind Sie auf diese Idee gekommen?

Dr. Krackhardt: Die Idee wurde am Lehrstuhl für Rechenarchitektur von Professor Dr. Brüning an der Universität Heidelberg entwickelt. Sowohl er als auch ich hatten beide schon unternehmerische Erfahrungen gesammelt und Unternehmen geleitet. Nichtsdestotrotz ist es doch etwas anderes, ein Unternehmen zu gründen. Dabei hat uns das Coaching im Rahmen von EXIST-Forschungstransfer sehr geholfen und uns wertvollen Input für die Ausarbeitung des Businessplans und der Finanzplanung vermittelt.

Die Grundlage Ihrer Netzwerktechnologie basiert auf einem Chip. Inwieweit stellt dieser innovative Ansatz eine Hürde dar?

Dr. Krackhardt: In der Investorenlandschaft gibt es sehr wenig Erfahrung damit. Zum einen, weil die Chip-Entwicklung einen hohen Kapitalbedarf in der Anfangsphase erfordert. Zum anderen fürchten Investoren das Risiko, dass nach der relativ kostenintensiven Entwicklungszeit der Chip fehlerhaft und nur eingeschränkt oder gar nicht vermarktbar ist. Sehr offen waren dagegen institutionelle Kapitalgeber wie der High-Tech-Gründerfonds und die MBG Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Baden-Württemberg. Ohne die hätten wir die notwendige Finanzierung nicht auf die Beine stellen können. Durch deren Engagement haben auch Business Angels Vertrauen gefasst, die nun ebenfalls in unser Vorhaben investieren.

Trotz der Skepsis, die Sie von vielen Kapitalgebern zu spüren bekamen, scheinen Sie auf einem guten Weg zu sein.

Dr. Krackhardt: Ja, wir würden rückblickend auch nichts anders machen. Außer vielleicht mehr Zeit für die Kapitalakquise einplanen. Wir hatten beispielsweise Investitionsangebote aus den USA, aus Russland und China. Das war dann manchmal gar nicht so einfach zu sagen, wir wollen trotz der schwierigen Finanzierungsmöglichkeiten hier in Europa bleiben. Aber wir wollten eben zeigen, dass diese Technologie auch aus Europa kommen kann. Und das scheint uns zu gelingen.