„Einfach durchstarten!“

Datum
18.10.2016

Mit einem ausgewachsenen Tyrannosaurus Rex, der auf der re:publica umherwandert, hat shoutr labs in diesem Jahr für Schlagzeilen gesorgt. Dabei ist dieses sog. Augmented Reality Streaming nur eine von mehreren Anwendungsmöglichkeiten, die die Ausgründung der Humboldt-Universität zu Berlin auf Basis der W-LAN-Technologie entwickelt hat.

Porträt von Sebastian Winkler, Benjamin Werner, Christian Beier, Tina Ulrici, Ronald Liebermann v.l.n.r. Sebastian Winkler, Benjamin Werner, Christian Beier, Tina Ulrici (nicht mehr im Gründungsteam), Ronald Liebermann
© Sebastian Winkler, shoutr labs

Herr Winkler, seit der Förderung mit EXIST-Gründerstipendium des BMWi haben Sie und Ihre Co-Founder Christian Beier und Benjamin Werner Ihre Technologie immer weiterentwickelt. Wie sah denn die Ursprungsidee aus?

Winkler: Wir hatten zunächst an einer Lösung gearbeitet, die einen schnellen Datenaustausch zwischen Smartphones oder Tablets innerhalb eines Raumes ermöglicht. Stellen Sie sich vor, Sie sitzen im Wohnzimmer, haben ein Foto gemacht und möchten es allen Leuten, die sich in dem Raum befinden, gleichzeitig zeigen. Heute geht das alles über WhatsApp, aber das gab es damals noch nicht. Unsere Lösung sah dann so aus, dass über eines der Geräte ein W-LAN Hotspot aufgebaut wird, mit dem sich die anderen Endgeräte verbinden können.

Sie konnten schnell ein marktreifes Produkt entwickeln?

Winkler: Ja, nach neun Monaten war unsere Software so weit fertig, dass wir sie an Endverbraucher verkaufen konnten. Das war schon mal gut, aber es hat uns einfach gereizt zu überlegen, was man noch alles machen kann, wenn man W-LAN sozusagen als Trägertechnologie für große Datenmengen einsetzen möchte. Und so entstand die Idee, diese Technologie gebäudebezogen anzubieten - zum Beispiel als Besucherinformationssystem für Ausstellungen, Messen, Kongresse und andere Veranstaltungen. Das heißt, alle Daten, die für die Veranstaltung relevant sind, werden lokal auf Servern, auf unseren shoutr.Boxx-System, gespeichert. Die Nutzer sind dabei nicht mit dem Internet verbunden und müssen sich auch keine App herunterladen. Insofern ist der Informationszugang sehr einfach. Sie brauchen sich nur mit dem lokalen W-LAN zu verbinden, um zum Beispiel Texte, Bilder, Audios oder Videos über ein Exponat abzurufen.

Porträtfoto von Sebastian Winkler © Sebastian Winkler

Recht spektakulär ist auch Ihr Augmented Reality Streaming...

Winkler: Ja, so ist es. Man sieht dabei durch die Kamera seines Smartphones Objekte im Raum stehen oder sich bewegen, die es real dort gar nicht gibt. Da bedeutet, man richtet sein Smartphone auf sogenannte Marker, wie zum Beispiel Poster oder Fotos, und sieht dann einen animierten Film. Auf der re:publica haben wir auf diese Weise zum Beispiel den T-Rex „auferstehen“ lassen.

Zum Ihrem Team gehört auch ein Historiker - eher ungewöhnlich für ein IT-Start-up?

Winkler: Wir haben Ronald Liebermann bei einer Veranstaltung der Humboldt Innovation kennengelernt. Er meinte, unsere Software sei genau das, war er schon seit Jahren für den Museumsbereich suche. Und dann hat sich nach und nach herausgestellt, dass er die optimale „Sales-Kraft“ für uns ist, da er aufgrund seiner langjährigen Tätigkeit in Museen die Sprache unserer Kunden spricht und weiß, was sie brauchen.

Welche Tipps haben Sie für Gründungsinteressierte?

Winkler: Spread the word - erzähle viel über deine Idee und versuche, Leute zu begeistern und mit an Bord zu holen, die ein junges Unternehmen nach vorn bringen können! Der Vertrieb ist wirklich wichtig. Gerade wenn man ein technisches Produkt hat, sollte man frühzeitig einen Vertriebler aus der Branche suchen, in der man sein Produkt positionieren möchte. Ansonsten kann ich nur sagen: Macht es! Wer eine gute Idee hat, soll versuchen, sie zu realisieren. Und wenn es nicht klappt: einfach immer wieder versuchen, schließlich lernt man auch daraus.