„Wir machen es selbst!“

Datum
26.10.2016

Die Ausgründung aus der Friedrich-Schiller-Universität Jena ist Spezialist für die Entwicklung und Herstellung eines neuen Biomaterials, das als Trägermaterial im kosmetischen und medizinischen Bereich eingesetzt werden kann. Unterstützt wurden die beiden Gründerinnen Dr. Nadine Heßler und Dr. Dana Kralisch durch EXIST-Forschungstransfer.

Dr. Nadine Heßler und Dr. Dana Kralisch lächeln in Kamera v.l.n.r.: Dr. Nadine Heßler, Dr. Dana Kralisch
© D. Bannert, Evonik

Frau Dr. Heßler, Sie entwickeln und verkaufen Nanocellulose. Was ist das? Und warum kauft das jemand?

Dr. Heßler: Nanocellulose ist ein natürliches, erneuerbares Biopolymer aus reiner Zellulose, das aus einer Zuckerlösung gewonnen wird. Es hat einen sehr hohen Feuchtigkeitsgehalt. Das ist beispielsweise im Kosmetikbereich oder bei der Wundheilung wichtig. In der Kosmetik können vergleichbare Produkte wie Masken aus Gelatine oder Collagen der Haut etwa 25 Minuten Feuchtigkeit zuführen. Unser Material kann dagegen bis zu vier Stunden eingesetzt werden. Das ist deshalb von Vorteil, weil sich erst nach ungefähr 45 Minuten die Poren der Haut öffnen.

Wie ist diese Idee entstanden?

Dr. Heßler: Ich hatte mit meiner Mitgründerin am Institut für Technische Chemie und Umweltchemie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena zu Nanocellulose geforscht.
Nach zweijähriger Forschungsarbeit hatten wir eine Pilotanlage zur Produktion von Nanocellulose aufgebaut und bei der Industrie nachgefragt, ob Interesse an dem von uns entwickeltem Biomaterial besteht. Die Resonanz darauf war durchweg positiv. Dann standen wir vor der Frage, ob wir unser Forschungs-Know-how und unsere Anlage verkaufen oder ob wir Produktion und Vermarktung selbst in die Hand nehmen. Nach kurzer Bedenkzeit haben wir gesagt: Wir machen es selbst.

Die 100. EXIST-Forschungstransfer-Förderung ging im Jahr 2012 an JeNaCell.

Dr. Heßler: Ja, damit hatten wir ausreichend Freiraum, um unseren Businessplan zu entwickeln und uns Gedanken über unseren Markteinstieg zu machen. Zum Glück hatten wir einen sehr guten Coach an unserer Seite. Für viele unternehmerische Fragen haben wir uns eine weitere Kollegin an Bord geholt, die die betriebswirtschaftliche Seite unseres Teams abdeckt. Außerdem hatten wir durch unsere Teilnahme am Businessplan-Wettbewerb Science4Life sehr gute Kontakte zu anderen Start-ups aufnehmen können, aus deren Erfahrung heraus wir einige „Fettnäpfchen“ umschiffen konnten.

Wie ging es danach mit der Finanzierung weiter?

Dr. Heßler: Im Jahr darauf haben wir einen Privatinvestor an Bord geholt, mit dem wir unseren Produktionsaufbau und die Zertifizierung der Produktion realisieren konnten. Darüber hinaus sind letztes Jahr auch der bm-t Beteiligungsfonds, die Sparkasse Jena und die Evonik Venture Capital AG als Gesellschafter mit eingestiegen.

Sie sind seit 2014 erfolgreich am Markt. Was würden Sie Gründungsinteressierten raten?

Dr. Heßler: Wir haben uns gut entwickelt. Aber wir mussten auch einiges lernen. Zum Beispiel, dass man mehr Zeit braucht als ursprünglich geplant. Im Nachhinein würde ich jedem raten, einen großzügigeren Zeitpuffer einzukalkulieren, als wir ihn uns selbst zugestanden haben. Es gibt eine Reihe von Aufgaben, die einen erheblichen Zeitaufwand mit sich bringen. Jetzt sind wir um viele Erfahrungen reicher und mit dem aktuellen Stand durchaus zufrieden.