„Es macht Spaß, innovativ zu sein.“

Datum
22.06.2016

Als sich Kerstin Zahrt zunächst nebenberuflich selbständig machte, war noch nicht abzusehen, welche Begeisterung die Diplom-Politologin für das Unternehmerinnen-Leben entwickeln würde. Jetzt will die bisherige Kleinunternehmerin zusammen mit ihrer Teampartnerin Annika Glaser richtig durchstarten.

Porträt von Kerstin Zahrt Kerstin Zahrt
© Nina Pieroth

Frau Zahrt, Sie bieten Lerncoaching an. Ist das nicht das Gleiche wie Nachhilfe?

Zahrt: Nein. Lerncoaching bezieht sich auf Schüler, Studenten, aber auch Erwachsene, die effektiver lernen wollen oder Prüfungsängste haben. Ich übe mit ihnen Lerntechniken, die sie erfolgreich einsetzen können, um Blockaden aufzubrechen. Ich habe während meiner Tätigkeit als Lehrerin an einer Berufsschule immer wieder erlebt, dass gute Schüler in Prüfungen versagen. Und weil ich damals keine Unterstützung finden konnte, beschloss ich, selbst diese Lücke zu füllen. Das heißt, ich habe eine Coachingausbildung absolviert, mich mit selbstorganisiertem Lernen beschäftigt und viel im Unterricht ausprobiert. Nach und nach habe ich dann daraus eine eigene Methode entwickelt.

…und sich damit selbständig gemacht.

Zahrt: Ja, zunächst nebenberuflich. Das heißt, ich habe meine Tätigkeit als Lehrerin reduziert. In der Zeit habe ich ein Businessplan-Seminar an der IHK Frankfurt am Main besucht und nach möglichen Kunden Ausschau gehalten, also nicht nur nach Eltern und Studierenden, sondern zum Beispiel auch nach Bildungseinrichtungen und -projekten. Insgesamt hat sich mein Unternehmen dann so gut entwickelt, dass ich 2016 meinen Job als Lehrerin aufgegeben habe und seitdem zu 100 Prozent selbständig bin.

Offensichtlich sind Sie aber immer noch nicht ausgelastet: Sie gründen gerade ein zweites Unternehmen. Was treibt Sie an?

Zahrt: Ich bin allein in die Selbständigkeit gestartet. Das hat auch gut funktioniert. Aber als Soloselbständige ist es schwierig, was wirklich Großes zu stemmen. Außerdem habe ich im Laufe der Jahre gemerkt, dass ich am besten arbeite, wenn ich jemanden an meiner Seite habe, der die Kompetenzen und die Qualitäten hat, die mir fehlen. Meine Co-Gründerin, Annika Glaser, habe ich bei ROCK YOUR LIFE!, einem Mentorenprogramm für bildungsbenachteiligte Jugendliche, kennengelernt. Wir fanden uns gleich sympathisch und haben gemerkt, dass es auch fachlich passt.

Sie sind eine begeisterte Unternehmerin. Was fällt Ihnen beim Stichwort „Unternehmerpersönlichkeit“ ein?

Zahrt: Ich glaube, man muss mutig sein, aber die Risiken auch realistisch einschätzen. Ich kann mich zum Beispiel absolut begeistern für Ideen, für Menschen, für Dinge, auch für mein Produkt. Gleichzeitig kann ich aber auch sehr klar strukturiert und logisch denken. Ich überstürze nichts. Ich renne nicht sofort zur Bank und nehme einen Kredit über mehrere Tausend Euro auf, sondern überlege erst einmal: Welche Möglichkeiten gibt es, um meine Ideen umzusetzen? Wie kann ich das Risiko minimieren, das ich bereit bin zu tragen?

Ihr Unternehmen soll wachsen?

Zahrt: Auf jeden Fall! Ich möchte gemeinsam mit Annika Glaser viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigen und ins Ausland expandieren. Ich habe aber auch gelernt, dass es sinnvoll ist, eher langsam und in kleinen Schritten voranzugehen. Das zeigen ja vor allem von Frauen geführte Unternehmen: Sie wachsen langsamer und sind dafür krisenfester. Ich glaube, damit habe ich für meinen bzw. unseren Weg die richtige Orientierung.

Langfassung siehe BMWi-eMagazin „Start-ups: Ideen für eine neue Unternehmenskultur“, Juni 2016.