„Selbständigkeit beginnt immer im Kopf.“

Datum
29.02.2016

Eihab Hamischa ist vor über fünfzehn Jahren aus Syrien geflüchtet und in Hamburg heimisch geworden. Inzwischen hat er bereits sein zweites erfolgreiches Unternehmen gegründet.

Eihab und Loai Hamischa Eihab und Loai Hamischa
© Nicole Wahl

Herr Hamischa, Sie sind bereits seit 2006 selbständig. Mittlerweile haben Sie schon Ihr zweites Unternehmen gegründet.

Hamischa: Ja, ich hatte ursprünglich ein Restaurant, ein Café und einen Club mit Live-Musik eröffnet - alles unter einem Dach. Später habe ich sie verkauft und mit meinem Bruder Loai ein Catering-Unternehmen gegründet. Unsere Spezialität ist natürlich die syrische Küche. Was mich dabei besonders freut, ist, dass wir neben Parties und anderen Events, auch eine Ganztagsschule hier in Hamburg beliefern.

Wenn Sie sich zurückerinnern: Wie haben Sie sich damals in Deutschland auf Ihre Selbständigkeit vorbereitet?

Hamischa: Selbständigkeit beginnt immer im Kopf. Ich war in Syrien bereits mehrere Jahre mit einer Autowerkstatt selbständig gewesen. Insofern war ich mit dem Beruf des selbständigen Unternehmers schon vertraut. Als ich dann in Deutschland angekommen war, meine Ausbildung zum Koch absolviert und auch die deutsche Sprache erlernt hatte, war für mich klar, dass ich mich wieder selbständig machen möchte.

Haben Sie sich auch beraten lassen?

Hamischa: Ich war bei „Unternehmer ohne Grenzen“ und bei der Industrie- und Handelskammer und habe mich ausführlich über alle praktischen Schritte erkundigt. Zum Glück habe ich auch eine sehr gute Freundin, die Buchhalterin ist - sie hat mir sowohl bei meinem Geschäftskonzept als auch bei allen anderen Fragen rund um meine Unternehmensgründung sehr geholfen. Das tut sie auch heute noch.

Wie geht es Ihnen jetzt als Unternehmer? Fühlen Sie sich in Deutschland angenommen?

Hamischa: Ja. Ich fühle mich gut. Das Catering-Unternehmen läuft super. Ich habe sechs Angestellte und bei Bedarf eine Reihe von freien Mitarbeitern. Mein Bruder bereitet sich außerdem gerade auf die Meisterprüfung vor.

In letzter Zeit sind viele Flüchtlinge aus Syrien nach Deutschland gekommen. Was würden Sie denjenigen raten, die sich hier selbständig machen möchten?

Hamischa: Das wichtigste für jeden Flüchtling, der nach Deutschland kommt, ist, zunächst einmal, die Sprache zu lernen und das Land kennenzulernen. Man muss neugierig und offen sein, genau hinschauen und immer wieder fragen, wie das alles hier funktioniert. Vielen ist noch nicht klar, wie groß oft die Unterschiede im Arbeitsleben, im Umgang miteinander und in kulturellen Traditionen sind. Also, ich würde sagen: Es ist nicht einfach, aber man kann es auf jeden Fall schaffen. Letztlich spielt es keine Rolle, aus welchem Land man kommt, wenn man gute Arbeit leistet und sich mit den Umgangsformen, Gepflogenheiten und der Kultur vertraut macht, erreicht man letzten Endes das, was man erreichen will.

Langfassung im BMWi-eMagazin "Gut ankommen in Deutschland: Flüchtlinge - zukünftige Azubis, Arbeitnehmer und Unternehmer", Februar 2016.