Wer aus dem Ausland kommt und sich in Deutschland selbständig machen möchte, muss wissen, auf was es hier im Arbeitsleben ankommt.

Datum
15.02.2016

Azem Ceka ist in den neunziger Jahren vor dem Krieg im damaligen Jugoslawien nach Deutschland geflohen. In seiner Heimat hatte er eine Ausbildung als Autolackierer absolviert. Anfang 2013 hat er in Hamburg seine Lackiererei-Werkstatt eröffnet.

Azem Ceka Azem Ceka
© Ceka

Herr Ceka, wie kam es dazu, dass Sie sich in Hamburg mit einer Autolackiererei selbständig gemacht haben?

Ceka: Ich hatte viele Jahre in verschiedenen Betrieben gearbeitet und dabei gelernt, dass es in Deutschland vor allem auf Qualität und Pünktlichkeit ankommt. Bei meiner letzten Arbeitsstelle musste ich aber leider feststellen, dass der Anspruch hinsichtlich Verantwortung und Arbeitsqualität zwischen meinen Kollegen und mir doch sehr unterschiedlich war. Das führte dazu, dass meine Arbeitsmotivation immer mehr nachließ. Also habe ich mir Gedanken darüber gemacht, wie ich das ändern könnte und bin dann auf die Idee gekommen, mich selbstständig zu machen.

Um sich in Deutschland im Kfz-Handwerk selbständig zu machen, benötigen Sie den „Meister“. Das heißt, Sie sind erst einmal zur Handwerkskammer Hamburg gegangen?

Ceka: Ja. Die Mitarbeiter waren sehr hilfsbereit und haben mir genau gesagt, was ich tun muss. Ich hatte ja meine Ausbildung und eine Weiterbildung noch im ehemaligen Jugoslawien absolviert. In Deutschland war ich dann viele Jahre in der Branche als Angestellter beschäftigt, bis ich mich dann mit einem angestellten Betriebsleiter, der den deutschen Meistertitel hatte, selbständig gemacht habe. Durch das Anerkennungsgesetz konnte ich aber einen Antrag auf Anerkennung meiner jugoslawischen Berufsqualifizierung stellen. Dazu habe ich an einer praktischen Prüfung, einer Qualfikationsanalyse teilgenommen, um zu zeigen, dass ich meinen Beruf beherrsche. Im Ergebnis wurden mir drei Teile der Meisterprüfung anerkannt. Die Handwerkskammer hat dann auch dafür gesorgt, dass ich an einem dreimonatigen Lehrgang teilnehmen konnte, um mich auf den vierten Teil der Meisterprüfung, die Ausbildereignung, vorzubereiten. Das war natürlich viel Arbeit, aber insgesamt war es sehr gut, weil ich aufgrund der Anerkennung nicht den kompletten Meisterlehrgang besuchen musste und zukünftig ohne Betriebsleiter selbständig sein kann.

Wie sahen Ihre weiteren Vorbereitungen aus und wer hat Ihnen dabei geholfen?

Ceka: Ich habe zum Glück einen Freund, der Diplom-Kaufmann ist und mich sehr unterstützt hat. Mit ihm konnte und kann ich nach wie vor alles besprechen. Er hat mir erklärt, wie man Kunden akquiriert, wie man mit Kunden umgeht und wie man als Unternehmer erfolgreich ist. Dafür bin ich ihm sehr dankbar. Er hat mir damals auch bei meinem Business- und Finanzplan geholfen und mich beim Gang zu Behörden und Banken begleitet. Ohne einen solchen Partner mit entsprechenden Erfahrungen ist es als Ausländer nicht so einfach, sich selbständig zu machen. Vor allem die Kreditverhandlungen mit den Banken waren schwierig. Da habe ich leider die Erfahrung gemacht, dass man gegenüber Ausländern eher misstrauisch ist.

Anfang 2013 haben Sie Ihren Betrieb eröffnet. Wie war die erste Zeit?

Ceka: Ich hatte Glück, weil ich die Autolackier-Werkstatt eines ehemaligen Arbeitgebers übernehmen konnte. Insofern waren schon einmal Gebäude und Werkzeuge vorhanden. Und auch ein paar Kunden gab es. Mein ehemaliger Chef hat mir außerdem weiterhin in der Werkstatt geholfen. Mit der Zeit hat sich dann immer mehr herumgesprochen, dass ich gute Qualität liefere und zuverlässig arbeite, so dass der Betrieb mittlerweile gut da steht. Ich arbeite mit Autowerkstätten und Autohäusern zusammen, habe zwei Mitarbeiter und werde auch ausbilden. Aber die erste Zeit ist natürlich immer eine Durststrecke, die man hinter sich bringen muss.

Sie haben viele Erfahrungen gesammelt. Was würden Sie einem Flüchtling empfehlen, der jetzt nach Deutschland gekommen ist und sich vielleicht etwas später selbständig machen möchte?

Ceka: Wer aus dem Ausland kommt und sich in Deutschland selbständig machen möchte, muss auf jeden Fall wissen, dass hier korrekte Arbeit, Qualität und Zuverlässigkeit zählen. Das ist das Wichtigste und muss einem wirklich klar sein. Ein weiterer Rat ist, sich Hilfe zu suchen. Der erste Weg sollte zur Handwerkskammer führen. Das ist für Gründer auf jeden Fall eine gute Adresse. Man lernt dort zum Beispiel in Seminaren, wie man mit den Zahlen im Unternehmen umgeht. Das unterschätzen viele Gründer und wundern sich dann, dass sie nach einem Jahr pleite sind. Ideal ist es natürlich, wenn man jemanden kennt, der mit kaufmännischen Dingen vertraut ist und einen begleitet, vor allem wenn es um Gespräche mit Banken geht. Für mich war zum Beispiel die Finanzierung meiner Gründung damals eine große Hürde, die ich ohne meinen Freund damals nicht bewältigt hätte.

Sie sind jetzt seit drei Jahren selbständig. Wie geht es Ihnen?

Ceka: Gut – sehr gut sogar. Wir haben viel zu tun und jede Menge Kunden. Aber der Betrieb ist noch klein. Von daher würde ich gerne investieren und die Werkstatt vergrößern. Leider sind die Banken noch zurückhaltend. Insgesamt aber bin ich sehr dankbar für die Möglichkeit und Hilfestellung, die ich bekommen habe, um hier selbständig zu sein.

Erschienen im BMWi-eMagazin "Gut ankommen in Deutschland: Flüchtlinge - zukünftige Azubis, Arbeitnehmer und Unternehmer", Februar 2016.